Unternehmensführung

Wenn die Stimmung sinkt – psychische Gefährdungsbeurteilung in Unternehmen

Wenn die Stimmung sinkt – psychische Gefährdungsbeurteilung in Unternehmen

Foto Pixabay: saxonrider

Psychische Gefährdungsbeurteilung hätte das verhindert…

Neulich erzählte mir Anna, Führungskraft in einem mittelständischen Unternehmen in der Papierindustrie, dass die Stimmung in ihrer Abteilung immer mehr in den Keller zu fahren scheint. Kürzlich hätte ihr ein Mitarbeiter sogar richtig die Meinung gegeigt. Sie überlege sich tatsächlich Konsequenzen zu ziehen und ihn rauszuschmeißen.

Doch viel bringen würde das wohl nichts, meinte sie betrübt, denn die anderen Mitarbeiter machten auch nicht gerade zufriedene Gesichter. Doch Anna wusste nicht, woran das lag. Oder wie sie das ändern sollte. Sie fühlte sich einfach nicht wohl in ihrer Haut.

Wenn du sehr ehrgeizig bist…

  • … willst du viel erreichen, schnell sein, supergute Arbeit machen. Das bringt mitunter enormen Druck. Du musst fortwährend dranbleiben. Ein Nebeneffekt dieses Dranbleibens ist das Drankleben. Du merkst das daran, dass du abends beim Insbettgehen gedanklich noch immer um deine Arbeit kreist wie die Motte ums Licht.
  • … trifft dich Kritik manchmal bis ins Mark. Und ganz besonders dann, wenn du sehr an deiner Arbeit haftest. Du hast einfach keinen Abstand mehr. Deshalb nimmst du Kritik persönlich. Ist ja auch klar, denn du hängst mit deiner ganzen Person da drin und fühlst dich bewertet. Und wer will schon negativ bewertet werden.
  • … siehst du manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht. Du läufst Gefahr, betriebsblind zu werden. Das heißt, du bekommst nicht mit, wo Unzufriedenheit entsteht. Wann und weshalb sich deine Mitarbeiter langsam innerlich von dir verabschieden. Das aber bringt dir auf Dauer grooooßen Schaden.

Als Führungskraft brauchst du Abstand

Denn dranbleiben ist auch drankleben. Du bist dann emotional so beschäftigt mit dir selbst, dass du nicht mitkriegst, wie die Emotionen der anderen um dich herum sich verändern. Vielleicht weichen die Mitarbeiter innerlich zurück und schweigen. Vielleicht steigen die Krankentage. Doch ein hoher Krankenstand wirft seine Schatten weit voraus. Davor steht meist Dienst nach Vorschrift und Innere Kündigung.

Genau dafür gibt’s die psychische Gefährdungsbeurteilung

Diese gesetzlich vorgeschriebene Untersuchung, die jedes Unternehmen seit 2013 machen muss, das Mitarbeiter beschäftigt, setzt genau da an. Was stresst die Leute? Wie empfinden sie die Arbeit, die Drum-Herum-Bedingungen, die Führung? Es ist super hilfreich, dazu genauere Informationen zu sammeln und die auch ernst zu nehmen. Du kannst dein Business dadurch enorm aufpeppen und deine Bilanz nach oben pushen!

Wenn du mehr darüber erfahren oder das in deinem Unternehmen umsetzen möchtest, melde dich bei mir: 0931 2 90 71

Hanne Demel

 

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Negatives Sprechen: Lästern schadet nur dem, der es tut!

Negatives Sprechen: Lästern schadet nur dem, der es tut!

Foto: Irmgard Guder

Negatives Sprechen hat negative Auswirkungen auf alle beteiligten Ohren…

„Ab in die Wüste“ sagt sich eine Freundin von mir fast jedes Jahr und bucht eine Reise in den Sand. Und jedesmal schwärmt sie dann von der Weite, der Ruhe und der Entschleunigung, die sie dort erfährt. Sie sieht immer wieder sehr entspannt aus, wenn sie zurückkommt.

Doch neulich war das nicht so.Weder schwärmte sie noch sah sie erholt aus. Ihren Erzählungen zufolge waren einige Mitwanderer in dieser Reisegruppe nicht so harmonisch und kompatibel miteinander wie sonst. Drei Teilnehmer hatten sich besonders zusammengerottet und zugleich von den anderen abgekapselt.

Das hat die ganze Gruppendynamik aus der Balance geworfen und meine Freundin fühlte sich teilweise ziemlich ausgeschlossen.

Der Zusammenhalt der Sippe war früher überlebensnotwendig

Früher konnten sich die Menschen das gar nicht leisten, nicht aufeinander Rücksicht zu nehmen oder sich aufeinander zu beziehen. Die Zugehörigkeit zur Sippe war überlebensnotwendig. Heute dagegen ist Individualismus und Eigenständigkeit einer der wichtigsten Punkte in unserer Werteskala.

Auch heute hat ein Mangel an Zusammenhalt negative Auswirkungen

Die Herausforderung heute ist, menschliches Miteinander trotz Individualität und Vielfalt fürsorglich und warmherzig zu gestalten. Wenn die Mitarbeiter eines Unternehmens nicht wertschätzend miteinander kommunizieren, Kontakte abbrechen oder Informationen zurückhalten, bringt das enorme Unzufriedenheit, eine hohe Fehlzeitenquote und messbaren materiellen Verlust mit sich.

Erst kürzlich hörte ich von einem Unternehmen, in dem die Mitarbeiter enorm viel Zeit damit verbringen, über den Chef zu lästern. Zugegebenermaßen würde diesem Chef ein Feinschliff in Sachen Kommunikation und Vorbildverhalten nicht schaden (vielleicht sollten ihn die Mitarbeiter auch mal in die Wüste schicken…).

Das Paradoxe beim Lästern…

…ist aber, dass es vor allem demjenigen schadet, der herzhaft über andere ablästert. Egal, ob ein Chef die Beschwerden verdient hat oder nicht.
Jedes einzelne Wort hat eine Wirkung auf den eigenen Körper und das eigene Energiesystem. Das lässt sich nachspüren über die eigenen Körperreaktionen auf einzelne Worte, Sätze, Situationen. Man nennt diese Körperreaktionen somatische Marker.

Das Unterbewusstsein hört mit

Negative Sprache hat immer einen negativen Einfluss auf einen selbst. Das Unterbewusstsein hört in jedem Augenblick mit und unterscheidet nicht zwischen dem eigenen Ich und den anderen. Mit einem „kinesiologischen Test“, mit dem der körpereigene Energiefluss gemessen wird, kann das ein erfahrener Therapeut sofort sichtbar und spürbar machen. Der sinkt nämlich sofort beim Lästern.

Wenn du also negative Gedanken hegst, steigt dein eigener Stresshormonspiegel, denn dein Gehirn unterscheidet nicht in der neuronalen Reaktion, ob du etwas wirklich erlebt, es nur gehört, beobachtet oder dir sogar nur ausgedacht hast.

Dieser Stresshormonspiegel ist ausschlaggebend für deine Gesundheit und dein Wohlbefinden. Er sollte nicht zu hoch sein!

Achte auf eine gute Stimmung in deinem Unternehmen!

Du solltest als Unternehmer darauf achten, wie deine Mitarbeiter miteinander und übereinander sprechen. Daraus kannst du auch Rückschlüsse ziehen, wie Mitarbeiter über dich selbst sprechen. Es ist wichtig, eine Atmosphäre von Offenheit und Ehrlichkeit zu schaffen. Und wie machst du das am besten?
Indem du selbst offen und ehrlich bist! Denn als Unternehmer hast du durch die höhere Position automatisch eine Vorbildfunktion inne.

Hanne Demel

Posted by Hanne Demel in Ethische Themen, 8 comments
Wenn man nix loslassen kann… Anderen etwas zutrauen bedeutet Wertschätzung schenken!

Wenn man nix loslassen kann… Anderen etwas zutrauen bedeutet Wertschätzung schenken!

Foto iStock.com: toxawww

Dazu eine kleine Geschichte zum Thema Wertschätzung:

Eine Praktikantin sollte sich in einem Unternehmen um die Erstellung von einigen Folien kümmern. Nach getaner Arbeit legte sie ihre Arbeit der verantwortlichen Chefin vor. Die pfuschte wortlos drin herum und veränderte die mit Mühe erstellten Folien in wenigen Klicks, worauf der Praktikantin entfuhr: „Also so sieht‘s doch scheiße aus“. Die Chefin war perplex und irritiert.
Die Praktikumsanleiterin der Studentin hatte das Ganze mitbekommen. In der Mittagspause nahm sie sie zur Seite und erklärte ihr, dass sie so ungehobelt nicht reden dürfe. Sie nannte ihr gleich ein paar alternative Formulierungen.

Schon eine Woche später bot sich die Gelegenheit. Wieder klickte die verantwortliche Chefin in ein paar frisch erstellten Folien herum, was die Studentin erneut ärgerte. Wie aus der Pistole geschossen sagte sie diesmal: „Also jetzt hat’s wieder Potenzial nach oben“…‘

Anderen etwas zutrauen bedeutet Wertschätzung schenken

Es ist nicht selten, dass jemand, der gefühlt oder real verantwortlich ist, in vielen Dingen „das letzte Wort“ haben muss. Doch oft erzeugt das nicht etwa Freude im Umfeld sondern Unmut und Unlust.

Ich habe Unternehmen erlebt, da haben Mitarbeiter schon innerlich gekündigt, weil sie sowieso nichts recht machen konnten und alles immer wieder vom Chef geändert wurde. Auf die Frage, wie viel Wertschätzung sie bekommen, kam die Antwort: Gleich Null.

Anhaftung bewusst machen

Der Knackpunkt liegt in der Identifikation mit der Sache. Ich meine damit nicht, dass dir alles egal sein soll und du dich nicht mehr identifizieren sollst mit deiner Arbeit. Aber wenn du zu sehr anhaftest, nimmst du sehr viel Raum ein und der Raum von anderen wird kleiner. Und du machst dir mehr Stress damit als notwendig, denn es ist höchst entspannend, etwas wirklich abgeben zu können.

Es ist manchmal absolut nicht leicht, etwas jemand anders zu überlassen und zuzustimmen, auch wenn er es „ganz anders“ macht. Ich kenne das sehr gut. Manchmal geht’s mir so, wenn mein Mann kocht und ich auch in der Küche bin. Aber er macht es sowieso wie er will und ich genieße danach ein wunderbares Essen… 😉

Fünf grade sein lassen kann man üben

Eine Freundin berichtete mir vor einer Weile, wie schwer es ihr gefallen ist, die Toilettenpapierrollen, die ihr Mitbewohner im Bad kreuz und quer gelagert hatte, einmal nicht ordentlich aufeinanderzustapeln… Sie musste sich enorm beherrschen. Das war für sie der Einstieg in eine tiefe Auseinandersetzung mit ihren Beweggründen und ihren Gefühlen. Heute ist sie lockerer und viel weniger „Zwängi“, das kann man spüren.

Du kannst also also lernen, lockerer zu werden und anderen mehr Raum zu lassen. Das schenkt dir letztendlich auch Entlastung und du wirst dich mit der Zeit freier fühlen.

Übung:

Nimm dir einen Tag vor, an dem du nichts – aber auch gar nichts korrigierst. Schau einfach zu, was andere tun, egal wo, egal wie. Wenn du kannst, verschiebe wichtige Entscheidungen auf den nächsten Tag. Nun prüfe, wie leicht es dir fällt, Dinge stehen zu lassen ohne zu korrigieren.

Vielleicht ist dir ja bisher gar nicht aufgefallen, wie oft du eingreifst.

Währenddessen beobachte deine innersten Regungen. Was genau steigt in dir auf? Wie stark ist dein Impuls, einzugreifen? Was denkst und was fühlst du?

  • Du bist nicht zu ersetzen?
  • Nur du allein kannst das Problem lösen?
  • Deine Ideen sind besser?
  • Du weißt es einfach besser?
  • Du möchtest anderen unbedingt helfen?
  • Du möchtest einfach die Kontrolle behalten?
  • Du möchtest deinen Platz behaupten?
  • Du suchst Anerkennung?
  • etc.

Es gibt viele Gründe und genauso viele Hintergründe. Du kannst dahinter vielleicht Überverantwortlichkeit entdecken, Angst, dich anderen anzuvertrauen, Angst, von anderen übergangen zu werden, nicht gesehen zu werden, die Kontrolle zu verlieren…

Bitte spüre ganz genau hin und notiere einen oder zwei Tage lang alles, was dir dazu auf- und einfällt.

Und bitte berichte mir von deinen Erfahrungen. Schreibe mir einen Kommentar unter diesen Blogartikel. Wenn du Fragen hast, nur raus damit. Ich freu mich schon drauf.

 

Hanne Demel

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Nicht geschimpft ist Lob genug

Nicht geschimpft ist Lob genug

Foto Pixabay: Gellinger

Wertschätzung als Basis von Engagement und Gesundheit

Nicht geschimpft ist Lob genug – eine für unsere Breitengrade typische Aussage! In Amerika zum Beispiel wäre ein solcher deutscher Rauhbart sehr schnell unten durch. Dort herrscht eine völlig andere und intensivere Lobkultur vor als hierzulande.

Wertschätzung ist ein menschliches Grundbedürfnis

Wertschätzung bedeutet gesehen zu werden, den eigenen Beitrag gewürdigt zu wissen. Je weniger ein Mensch davon erhält, umso schneller verliert er die Lust, sich zu engagieren. Deshalb ist Wertschätzung in Organisationen unabdingbar für die Zusammenarbeit und das Engagement von Einzelnen und von Teams.

Wertschätzung ist etwas anderes als Lob

Lob lässt sich nicht direkt mit Wertschätzung gleichsetzen. Denn ein Lob von jemand zu erhalten kommt einer Belohnung gleich. Dahinter steht eine Beurteilung seiner Leistung. Das kann auch herablassend oder arrogant wirken. Derjenige, der das Lob ausspricht, steht über dem Gelobten, da er sich in der Position fühlt, die Leistung des anderen zu beurteilen. Dieses Lob stammt daher aus den inneren Konzepten und Erwartungen desjenigen, der lobt. Der Gelobte erfüllt diese Erwartungen.

Die Wirkung von Lob

Lob kann völlig unterschiedlich wirken, je nachdem wie es eingesetzt wird. Lobt man z. B. einen Mitarbeiter für ein gutes Ergebnis, so fällt ein Teil dieses Lobes auf andere Umstände zurück. Ein gutes Ergebnis ist meist das Zusammenspiel von vielen Einzelnen oder auch von einer Portion Glück. Das Loben eines guten Ergebnisses bedeutet immer ein Stück Unkontrollierbarkeit und damit auch Unsicherheit, weil nicht garantiert werden kann, dass der Gelobte dieses gute Ergebnis wiederholen kann.

Lobt man jedoch für die Anstrengung und die Ausdauer, die ein Mitarbeiter unternommen hat, um dieses Ergebnis zu erzielen oder auch nur dazu beizutragen, so wird dieser Mitarbeiter dieses Lob sich selbst und seinem persönlichen Einsatz zuschreiben können. Somit kann er diese Belohnung selbst kontrollieren und wiederholen. Er weiß genau, was er dafür tun muss. Das erzeugt ein hohes Maß an innerer Sicherheit.

An falscher Stelle kann zu viel Lob auch Faulheit verursachen oder das Ego aufblasen. Wenn ein Lob unspezifisch kommt wie zum Beispiel „Du bist so super, Du bist einfach der Beste“… So etwas hinterlässt leicht ein Gefühl von Allmacht und stoppt persönliche Anstrengung. Eine Führungskraft sollte Lob also sehr klar einsetzen, um die von ihr gewünschte Wirkung zu erzeugen.

Wertschätzung ist ganzheitlich

Ganz anders ist da die Wirkung von Wertschätzung. Durch sie fühlt sich ein Menschen im Ganzen gesehen. Wertschätzung betrifft nicht nur eine einzelne Leistung. Man kann auch dann jemanden schätzen, wenn er gerade Mist gebaut, einen Misserfolg geerntet oder sich negativ verhalten hat. Wertschätzung ist eine innere Haltung. Und als solche ist sie der dauerhafte Kitt zwischen den Menschen. Diese Haltung hält Beziehungen aufrecht und schafft Bindungen.

Wertschätzung sieht für jeden Einzelnen anders aus

Aber wie findet man heraus, die richtige Ausdrucksweise für Wertschätzung zu finden? Für jeden Menschen erzeugt etwas anderes das Gefühl, geschätzt zu werden. Wenn der eine sich tatsächlich ein Lob wünscht, möchte der andere vielleicht eine kleine konkrete Aufmerksamkeit. Ein dritter aber wünscht sich womöglich, die Zeit zu bekommen, damit er seine Gedanken in Ruhe und ungestört ordnen kann etc. Wertschätzung kann auf tausend verschiedene Arten ausgedrückt und empfunden werden. Daher ist es auch wesentlich für denjenigen, der Wertschätzung geben möchte, genau zu beobachten und nachzufragen, was beim anderen als solche ankommt. Zirkuläre Fragen aus der Psychotherapie und dem Coaching könnten dabei Klarheit schaffen. „Woran würdest du merken, dass ich dich schätze?“, oder „was muss ich tun, um dir das Gefühl zu geben, geschätzt zu sein?“ wären Beispiele dafür.

Wertschätzung in Unternehmen

Gute Beziehungen werden nicht nur im privaten Bereich geschaffen. Eine ganze Unternehmenskultur und das Miteinander werden durch Wertschätzung geprägt. Sie bildet die Grundlage für Wohlbefinden und gute Beziehungen. Untersuchungen haben einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem gefühlten Mangel an Wertschätzung und der Höhe des Krankenstandes gezeigt. Die Motivation sinkt in dem Maß, wie gerügt, getadelt und missachtet wird. Mitarbeiter wollen für gute Arbeit gesehen, belohnt und geschätzt werden. Die typisch deutsche Mentalität des Nicht-Tadelns als ausreichendes Lob reicht da nicht. Mögen die Wirtschaftsunternehmen sich diese Zusammenhänge auf der Zunge zergehen lassen, denn letztendlich hängt der knallharte monetäre Gewinn davon ab.

Das genetische Programm der Schmerzvermeidung

Tatsächlich versucht jeder Mensch, Schmerz zu vermeiden und angenehme Gefühle zu erleben. Das ist in der evolutionären Entwicklung unseres menschlichen Gehirns so angelegt. Negative Erfahrungen wie Schmerz, Zurückweisung, Missachtung etc. werden sehr viel intensiver und dauerhafter gespeichert als gute angenehme Erfahrungen. Evolutionär bedingt ist das Glas immer halb leer und nicht halb voll. Das liegt daran, dass das genetische Überlebensprogramm auf Schmerzvermeidung ausgerichtet ist. Das, was uns unangenehme Gefühle verursacht – und da gehören auch seelische Missempfindungen wie missachtet werden dazu – wird möglichst vermieden. Das ist aus dem Blickwinkel des Urmenschen sehr sinnvoll, denn es sichert das Überleben. In unserer heutigen Kultur bedeutet das aber, dass eine Atmosphäre, die Unwohlsein und Schmerz verursacht, also z. B. eine nicht wertschätzende Atmosphäre, Vermeidungsstrategien triggert und Lustlosigkeit bis hin zu Krankheit und innerer Kündigung nach sich zieht.

Die Wirkung von Wertschätzung im menschlichen Gehirn

In der Hirnforschung hat man festgestellt, dass eine negative Erfahrung sich fünfmal so tief in das Erinnerungssystem des limbischen Systems im Gehirn einbrennt wie eine positive. Das bedeutet im Klartext, dass ein einziger Tadel fünf Situationen des Lobes gefühlt zerstören kann. Dieses Verhältnis sollten sich Führungskräfte sehr deutlich vor Augen führen, damit sie die Wirkung, die sie bei ihren Mitarbeitern erzielen, besser einschätzen können. Tadel sollte aus dieser Sicht heraus möglichst in Form von wertschätzender und konstruktiver Kritik erfolgen.

Dankbarkeit ist Wertschätzung pur

Der einfachste Weg, Wertschätzung zu zeigen, ist dankbar zu sein. Dankbarkeit als ernst gemeinte innere Haltung und nicht nur als äußerliches Lippenbekenntnis ist eine sehr starke Form, anderen etwas zu geben und sie wahrzunehmen. Dankbarkeit schafft Beziehung und Bindung. Tiefe Dankbarkeit geht immer einher mit Wertschätzung. Diese beiden Haltungen sind wie ein siamesisches Zwillingspaar, das nicht getrennt werden kann. Eine dankbare Haltung berührt, selbst wenn sie nicht sehr geschliffen ausgedrückt wird.

Wertschätzung bringt Unternehmenserfolg

Menschen wollen sich einsetzen und einen guten Beitrag leisten. Auch das ist ein menschliches Grundbedürfnis. Ein Unternehmer, der seine Mitarbeiter schätzt und deren Erfolge würdigt, schafft mit der Zeit eine Atmosphäre, in der gute Beziehungen und Engagement selbstverständlich sind. Das ist der leichteste Weg, Wertschöpfung zu praktizieren, den Krankenstand zu senken und den Erfolg aller zu mehren.

Hanne Demel

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Die dunkle Seite der Ethik

Die dunkle Seite der Ethik

Foto iStock.com: AKA_SANCHO

Ethisches Engagement ist nicht immer per se gut…

Kürzlich hörte ich von einem mittelständischen Unternehmer, der seine ethischen Werte sehr hoch hält. Er wollte alle seine Mitarbeiter auf diese ethischen Werte eichen und hatte sie deshalb vor einiger Zeit eine Erklärung unterschreiben lassen, in der sie sich zu deren Einhaltung verpflichten sollten, und zwar immer, überall und jederzeit.

Diese von den Mitarbeitern eigenhändig unterschriebenen Erklärungen zum Thema „Ethisches Engagement“ sind inzwischen vor allem in Konzernen in Bezug auf Ziele gang und gäbe und ein solches Vorgehen breitet sich immer weiter auch im Mittelstand aus.

Druck erzeugt Abwehr

Was dieser Unternehmer leider nicht mitbekam:

Seine „Zwangsverordnung“ löste bei den Mitarbeitern gemischte bis sehr unangenehme Gefühle aus, die diese sich aber nicht zu formulieren trauten. Sie bekamen durch diese erzwungene Erklärung zu dem täglichen Stress noch eine Schippe Druck obendrauf, denn eine eigenhändig unterschriebene Erklärung hat eine unterbewusste starke Wirkung (deshalb wird sie ja gefordert). Sie setzt starke eigene Erwartungen an deren Einhaltung, auch wenn das natürlich nicht immer klappt.

Um diesen Druck wieder zu reduzieren, nahmen die Mitarbeiter innerlich mehr Abstand.

Der Unternehmer erzeugte also mit der Begeisterung für seine eigenen ethischen Werte bei den Mitarbeitern eher Unlust und Widerstand. Solche Gefühle sind immer ein guter Nährboden für Dienst nach Vorschrift und innere Kündigung. Und damit für enorme finanzielle Einbußen und Umsatzschwierigkeiten.

Vielleicht kennst du das auch aus dem Privatleben. Jemand, der begeistert ist und andere Menschen unbedingt von etwas überzeugen möchte, bewirkt, dass die Menschen Abstand nehmen und einen Bogen machen. Denn niemand möchte „zwangsmissioniert“ werden.

Freiraum lassen

Im Unternehmen lässt sich Ethik nicht „verordnen“, ohne dass die „Patienten“ dabei das innere Feuer verlieren. Nicht jeder Mitarbeiter hat die gleichen Wünsche und Ziele und vielen sind hehre ethische Vorgaben schnurzpiepegal. Manch einer will vielleicht nur Geld verdienen, um seine Familie ernähren zu können (was übrigens auch eine hoch ethische Haltung ist).

Ethik und Werte leben durch „Vorleben“ und durch Freiraum. Zwangsverordnete Werte lösen genauso Widerstand aus wie ein Land, das seinen Einwohnern eine bestimmte Religion vorschreibt. Einige Einwohner werden sich innerlich abwenden, andere werden das Land verlassen. Wieder andere werden offen dagegen ankämpfen. Und nur wenige werden die neue Religion begeistert annehmen. Selbst wenn sie die besten Absichten hat.

Echte Motivation kommt von innen

Wenn andere Menschen das glauben und verfolgen dürfen, was sie möchten (sofern sie niemandem an Leib und Leben schaden natürlich), können sie ihre eigene intrinsische Motivation finden und sich ihr gemäß einsetzen. Und die ist es, die tatsächlich vorwärts treibt und täglich aufs Neue motiviert.

Eine von außen aufoktroyierte Motivation lässt die innere absterben und Lustlosigkeit folgen, wenn sie nicht zufällig genau mit der eigenen inneren Motivation zusammenpasst. Mitarbeiter motivieren wollen heißt, ihnen ihre eigene innere Motivation zu nehmen. Mitarbeiter zur ethischen Haltung per Unterschrift verpflichten zu wollen, heißt, Widerstand im Unternehmen zu erzeugen. Ein Unternehmer, der es ernst meint, muss auch selber zeigen, was ihm wichtig ist.

Ein cholerischer Chef, der einen ruhigen und gelassenen Umgang von seinen Mitarbeitern fordert, ist absurd. Ein Chef, der predigt, den Gürtel enger schnallen zu müssen, sich aber die eigenen Taschen prall voll macht, ist unglaubwürdig. Und so weiter.

Kennst du die folgende Geschichte über Gandhi? Eine Mutter kam mit ihrem kleinen Sohn zu ihm und bat ihn, dem Sohn zu sagen, dass er aufhören solle, Zucker zu essen, weil der auf seine Mutter nicht hörte. Gandhi hörte sich ihre Bitte an und schickte sie dann fort mit den Worten, sie solle in zwei Wochen wiederkommen. Als sie nach zwei Wochen mit ihrem Sohn wieder vor Gandhi stand, schaute der dem Kleinen fest in die Augen und sagte zu ihm: „Hör auf, Zucker zu essen!“ Verwundert fragte die Mutter Gandhi, wieso er das nicht schon vor zwei Wochen hatte sagen können. Da antwortete Gandhi: „Vor zwei Wochen habe ich selber noch Zucker gegessen.“

Das gute alte Vorbild

In diesem Sinne: zeig deinen Mitarbeitern im Unternehmen, was du dir wünschen, indem du es vormachst so weit als möglich. Und halten ethische Distanz, so dass jeder Einzelne, der mit dir zu tun hat, für sich entscheiden kann, ob er deine Werte attraktiv findet und ihnen folgen möchte oder nicht.

Das Gleiche gilt fürs Privatleben. Du kannst immer nur mit gutem Beispiel vorangehen und hoffen, dass andere folgen. Alles andere wäre übergriffig.

Also bleib locker und lasse andere anders sein als du… 😉

Hanne Demel

Posted by Hanne Demel in Ethische Themen, Führung, 0 comments