Systemisches Modell

Deine Stimme ist eines deiner Hauptwerkzeuge

Deine Stimme ist eines deiner Hauptwerkzeuge

Zeichnung: Hanne Demel

Im Coaching entscheidet deine Stimme und die Stimmlage, ob und wie genau dich dein Coaching-Kunde versteht. Nimm mal als Beispiel diesen Satz:

„Was hast du getan“ (bewusst ohne Satzzeichen)

• Nun betone ihn mal so, dass die Stimme am Ende abfällt,
• lass die Stimme am Ende ansteigen,
• sprich ihn ganz leise,
• und jetzt mal richtig laut.

Verstehst du?

Dein Tonfall sagt, was du wirklich meinst. Du kannst eine Aussage machen und sie wie eine Frage klingen lassen. Du kannst auch eine Frage stellen und sie wie eine Aussage klingen lassen.

Schichtmodell oder Zwiebelmodell der Persönlichkeit

Gehen wir von dem Modell der Vielschichtigkeit der Persönlichkeit aus. Es gibt ganz „alte“ Strukturen, Gefühle und Reaktionsmuster, die in der frühen Kindheit angelegt wurden. Und es gibt „jüngere“ Strukturen, das sind Reaktionsmuster, die in späteren Jahren dazugelernt wurden.

Stimme-im-Coaching

Zeichnung: Hanne Demel

Du brauchst den richtigen Zugang

Je nachdem, um was es im Coaching geht, brauchst du bzw. der Coachee Zugang zu verschieden Strukturen oder Seiten in der Persönlichkeit, die alle unterschiedlich „alt“ sind. Nun, wie bekommst du am besten Zugang zu den verschiedenen Seiten? Mit deiner Stimmlage!

Du kannst jede einzelne Seite mit jeweils einer anderen Stimmlage ansprechen und diese unterschiedlichen Stimmlagen beibehalten, wenn du diese Seite erneut ansprechen willst. Das Unterbewusstsein deines Coachee wird dich dann sofort versteht und wissen, „wen“ du gerade meinst, auch wenn du diese Seite nicht erneut benennst.

Wenn du in tiefere Schichten des Bewusstseins eintauchen willst, solltest du sanfter und leiser klingen. Und je „älter“ die Persönlichkeitsanteile sind, die du ansprechen willst – also Anteile, die schon in der frühen Kindheit entstanden sind – umso vorsichtiger solltest du sprechen. Denn dann sprichst du quasi mit dem „Kind im Inneren“. Das erschrickt, wenn du zu laut bist und es verschließt den Zugang.

Und wenn du das Bewusstsein dann wieder in Richtung hier und heute lenken willst…

… kannst du lauter werden, um die Alltagsebene zu aktivieren und die tiefen Schichten wieder zuzuschließen.

Beobachte einfach mal, welche Wirkung deine Stimmlage bei anderen erzeugt. Vor allem beobachte dich auch, welche Stimmlage du bei welchen Personen wählst. Wenn man mit Babys und Kleinkindern spricht, klingt die eigene Stimmlage unwillkürlich höher, leiser und sanfter. Sie bekommt weniger Volumen, damit das Baby sich angesprochen fühlt und nicht erschrickt.

Wenn du dich in einem Raum voller Erwachsener deutlich bemerkbar machen oder dich durchsetzen willst, wirst du deine Stimme unwillkürlich so laut und tief wie möglich klingen lassen.

Beobachte dich selbst

Nimm dir die nächste Zeit doch einfach mal als Übungszeit, um den Klang deiner Stimme zu beobachten. Wie verändert er sich, wenn du mit unterschiedlichen Menschen sprichst?

Und wenn du Lust hast, schreibe mir eine Mail und berichte von deinen Erkenntnissen. Stell mir Fragen, erzähl mir von deinen Herausforderungen. Nimm Kontakt mit mir auf, schreib mir, ruf mich an…)

Hanne Demel

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Eigenreflexion

Eigenreflexion

Zeichnung: Hanne Demel

Die wichtigste Grundlage für deine Coachingarbeit ist deine Eigenreflexion. Sei dir immer deiner eigenen wunden Punkte bewusst.

Jeder Mensch hat wunde Punkte, das ist völlig normal. Doch wenn ein Thema im Coaching auftaucht, das einen solchen wunden Punkt berührt, kann das deine Klarheit ganz enorm vernebeln, weil emotionale Reaktionen in deinem limbischen System angetriggert werden. Das schränkt deine Sichtweise und deinen Handlungsspielraum ein.

Ein krasses Beispiel dazu:

Ich habe mal von einem Kunden erzählt bekommen, dass ein früherer Coach ihm geraten hatte, fremdzugehen, um seine Beziehungsprobleme „in den Griff zu bekommen“. Solche Blüten kann das treiben, wenn man eigene Probleme und heimliche Sehnsüchte auf den Coachee projiziert.

Du solltest dich bei Themen, die dich besonders berühren, auch besonders zurücknehmen und vorsichtig sein.

Doch wie nimmt man sich in so einem Fall zurück?

Nimm das systemische Modell der Persönlichkeit. Du bestehst – wie auch dein Coachee und jeder andere – nicht aus einem einzigen Klotz sondern aus vielen verschiedenen Facetten und Persönlichkeitsanteilen, die alle unterschiedliche Fähigkeiten haben und verschieden mit etwas umgehen können. Diese Seiten kannst du jederzeit lenken, neu sortieren, unterschiedlich ansprechen und gewichten etc. So arbeitest du ja auch mit deinen Kunden, wenn du systemisch arbeitest.

Nutze doch dieses Modell auch für dich selbst! Stell dir vor, die Seite in dir, die gerade emotional angetriggert wird, stellst du nun für die Dauer des Coachings in den Hintergrund – mit dem innerlichen Versprechen, dich nach dem Coaching wieder um sie zu kümmern. Das verschafft dir inneren Raum, in dem du deine Worte und Reaktionen überdenken kannst.

Lerne dich selber kennen

Dazu musst du aber wissen, welche Themen dich in welcher Weise antriggern, Angst auslösen, dich wütend machen, in Unruhe versetzen etc. Es ist also kein Luxus sondern eine Notwendigkeit, dich selbst in Supervision zu begeben und dich zu reflektieren. Sonst wird deine Arbeit unklar. Oder dein Kunde kann nur solche Themen mit dir bearbeiten, bei denen du keinen Eigenanteil und keine eigenen Erfahrungen gemacht hast. Das macht das Coaching aber flach, denn dann fehlt auch dein tiefes Einfühlen in dein Gegenüber und dein Mitgefühl.

Hanne Demel

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