Motivation

Warum du als mitfühlender Unternehmer auch mal knallhart handeln musst

Warum du als mitfühlender Unternehmer auch mal knallhart handeln musst

Bildnachweis: Pixabay creozavr

Ich kenne eine Menge Unternehmer, die sagen, Mitgefühl wär nix für sie. Sie wären ja schließlich keine Weichflöter und Lullibulli-Typen, die alles in ein rosa Mäntelchen packen. Und andere wiederum fühlen sich schlecht, wenn sie manchmal harte Entscheidungen treffen und diese auch durchsetzen müssen.

 

Mitgefühl hat Power 

Stell dir mal vor, du siehst, wie dein Kind gerade im Begriff ist, eine gefährliche Dummheit zu begehen. Was tust du? Du fährst dazwischen und stoppst es, stimmt’s? Und warum? Weil dir dein Kind am Herzen liegt und weil du auch keine Zeit verlieren kannst mit langen Erklärungen. Die können ja später folgen. Du willst, dass es in Sicherheit ist und es ihm gut geht. Und dafür ist genau in diesem Moment diese harte Grenze notwendig. Du weißt das, aber dein Kind in dem Moment wahrscheinlich nicht.

Vielleicht kannst du dich noch an deine Schulzeit erinnern: Ein strenger Lehrer war ein guter Lehrer, solange du spüren konntest, dass er es gut mit dir meinte. Du wusstest, wo es langgehen sollte und kanntest die Grenzen. So konntest du dich auf das konzentrieren, was wichtig war und unwichtigen Kram beiseite lassen.

 

Woran erkennst du Mitgefühl

Entscheidend ist die Motivation, aus der heraus du etwas tust. Wenn dein Handeln aus einer akuten nicht kontrollierbaren Emotion wie z. B. Wut entsteht, dann kann es sein, dass dein Mitgefühl dir gerade abhanden gekommen ist.

Wenn du andere durch dein Handeln schützen und sie weiterbringen willst, dann schwingt da Mitgefühl. Auch wenn’s knallhart rauskommt.

Stell dir vor, dein Mitarbeiter hat gerade einen riesen Bockmist gebaut hat. Du kannst dich über seinen Bockmist ärgern und ihn anschreien. Du kannst ihm aber auch mit Schmackes deutlich klarmachen, dass das ein Fehler war, den er dringend ändern muss, damit du ihn behalten und ihm wieder vertrauen kannst. Vielleicht ist deine Ausdrucksweise beide male knackig, aber die Motivation dahinter ist jedes Mal eine völlig andere.

Handlungen aus Mitgefühl heraus sind in der Wirkung tiefer. Der andere spürt, dass du es im Grunde gut mit ihm meinst.

Niemand kann immer Glacehandschühchen anziehen. Manchmal braucht es auch einen Hammer, um etwas Nachdruck zu verleihen.

 

Mitgefühl ist nicht Mitleid

Mitgefühl hat wirklich nichts mit Mitleid zu tun. Wenn du denkst, du müsstest jemanden bedauern, dann hast du eher Mitleid. Dabei verlierst du aber dein Mitgefühl. Über den Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl habe ich auch einen Beitrag geschrieben. Ich verlinke ihn unter diesem Artikel hier.

 

Wie kannst du herausfinden, ob du mitfühlend handelst

  1. Ob du aus Mitgefühl oder aus eigener Wut und Betroffenheit heraus handelst, kannst du an Folgendem unterscheiden: wenn du aus Mitgefühl Schwung geholt hast, dann kannst du deinen Schwung auch sofort wieder stoppen, sobald du merkst, dass dein Schwung gerade falsch ankommt. Wenn du aber aus Wut handelst, steckst du in deinen Gefühlen fest und kannst nicht so schnell umschwenken.
  2. Wenn du beobachten kannst, welche Wirkung du mit deinem Verhalten erzeugst, dann hast du schon Mitgefühl. Du kannst dich anpassen je nachdem, welche Wirkung du erzeugen möchtest. Das ist übrigens emotionales Management.
  3. Wenn du  mitbekommst, dass jemand negative Dinge tut, dann ist es in höchstem Grade mitfühlend, wenn du ihn rigoros stoppst. Hau ihm eins vor den Latz, damit er aufhört, denn wenn du ihn davor bewahren kannst, noch mehr  negativen Unfug zu machen, muss er später weniger leiden. Alles, was du tust, legt die Ursache für das, was nachfolgt. Es erzeugt ein Echo. Negatives Verhalten zieht negatives Erleben nach sich. Indem du demjenigen eins vor den Bug gibst, beschützt du ihn davor, noch mehr negative Dinge zu tun. Denn die negative Suppe, die er durch sein negatives Handeln erzeugt, wird er früher oder später selbst wieder auslöffeln müssen. Du stoppst ihn, weil dir sein Wohl am Herzen liegt.

 

Mitfühlend handeln bedeutet immer, das Wohl des anderen im Blick zu behalten. Und zwar ohne dass du dich selber aufgibst oder aufopferst.

 

Weitere Artikel zum Thema: „Warum Mitgefühl hilfreich ist, Mitleid aber nicht“

Hanne Demel

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Die dunkle Seite der Ethik

Die dunkle Seite der Ethik

Foto iStock.com: AKA_SANCHO

Ethisches Engagement ist nicht immer per se gut…

Kürzlich hörte ich von einem mittelständischen Unternehmer, der seine ethischen Werte sehr hoch hält. Er wollte alle seine Mitarbeiter auf diese ethischen Werte eichen und hatte sie deshalb vor einiger Zeit eine Erklärung unterschreiben lassen, in der sie sich zu deren Einhaltung verpflichten sollten, und zwar immer, überall und jederzeit.

Diese von den Mitarbeitern eigenhändig unterschriebenen Erklärungen zum Thema „Ethisches Engagement“ sind inzwischen vor allem in Konzernen in Bezug auf Ziele gang und gäbe und ein solches Vorgehen breitet sich immer weiter auch im Mittelstand aus.

Druck erzeugt Abwehr

Was dieser Unternehmer leider nicht mitbekam:

Seine „Zwangsverordnung“ löste bei den Mitarbeitern gemischte bis sehr unangenehme Gefühle aus, die diese sich aber nicht zu formulieren trauten. Sie bekamen durch diese erzwungene Erklärung zu dem täglichen Stress noch eine Schippe Druck obendrauf, denn eine eigenhändig unterschriebene Erklärung hat eine unterbewusste starke Wirkung (deshalb wird sie ja gefordert). Sie setzt starke eigene Erwartungen an deren Einhaltung, auch wenn das natürlich nicht immer klappt.

Um diesen Druck wieder zu reduzieren, nahmen die Mitarbeiter innerlich mehr Abstand.

Der Unternehmer erzeugte also mit der Begeisterung für seine eigenen ethischen Werte bei den Mitarbeitern eher Unlust und Widerstand. Solche Gefühle sind immer ein guter Nährboden für Dienst nach Vorschrift und innere Kündigung. Und damit für enorme finanzielle Einbußen und Umsatzschwierigkeiten.

Vielleicht kennst du das auch aus dem Privatleben. Jemand, der begeistert ist und andere Menschen unbedingt von etwas überzeugen möchte, bewirkt, dass die Menschen Abstand nehmen und einen Bogen machen. Denn niemand möchte „zwangsmissioniert“ werden.

Freiraum lassen

Im Unternehmen lässt sich Ethik nicht „verordnen“, ohne dass die „Patienten“ dabei das innere Feuer verlieren. Nicht jeder Mitarbeiter hat die gleichen Wünsche und Ziele und vielen sind hehre ethische Vorgaben schnurzpiepegal. Manch einer will vielleicht nur Geld verdienen, um seine Familie ernähren zu können (was übrigens auch eine hoch ethische Haltung ist).

Ethik und Werte leben durch „Vorleben“ und durch Freiraum. Zwangsverordnete Werte lösen genauso Widerstand aus wie ein Land, das seinen Einwohnern eine bestimmte Religion vorschreibt. Einige Einwohner werden sich innerlich abwenden, andere werden das Land verlassen. Wieder andere werden offen dagegen ankämpfen. Und nur wenige werden die neue Religion begeistert annehmen. Selbst wenn sie die besten Absichten hat.

Echte Motivation kommt von innen

Wenn andere Menschen das glauben und verfolgen dürfen, was sie möchten (sofern sie niemandem an Leib und Leben schaden natürlich), können sie ihre eigene intrinsische Motivation finden und sich ihr gemäß einsetzen. Und die ist es, die tatsächlich vorwärts treibt und täglich aufs Neue motiviert.

Eine von außen aufoktroyierte Motivation lässt die innere absterben und Lustlosigkeit folgen, wenn sie nicht zufällig genau mit der eigenen inneren Motivation zusammenpasst. Mitarbeiter motivieren wollen heißt, ihnen ihre eigene innere Motivation zu nehmen. Mitarbeiter zur ethischen Haltung per Unterschrift verpflichten zu wollen, heißt, Widerstand im Unternehmen zu erzeugen. Ein Unternehmer, der es ernst meint, muss auch selber zeigen, was ihm wichtig ist.

Ein cholerischer Chef, der einen ruhigen und gelassenen Umgang von seinen Mitarbeitern fordert, ist absurd. Ein Chef, der predigt, den Gürtel enger schnallen zu müssen, sich aber die eigenen Taschen prall voll macht, ist unglaubwürdig. Und so weiter.

Kennst du die folgende Geschichte über Gandhi? Eine Mutter kam mit ihrem kleinen Sohn zu ihm und bat ihn, dem Sohn zu sagen, dass er aufhören solle, Zucker zu essen, weil der auf seine Mutter nicht hörte. Gandhi hörte sich ihre Bitte an und schickte sie dann fort mit den Worten, sie solle in zwei Wochen wiederkommen. Als sie nach zwei Wochen mit ihrem Sohn wieder vor Gandhi stand, schaute der dem Kleinen fest in die Augen und sagte zu ihm: „Hör auf, Zucker zu essen!“ Verwundert fragte die Mutter Gandhi, wieso er das nicht schon vor zwei Wochen hatte sagen können. Da antwortete Gandhi: „Vor zwei Wochen habe ich selber noch Zucker gegessen.“

Das gute alte Vorbild

In diesem Sinne: zeig deinen Mitarbeitern im Unternehmen, was du dir wünschen, indem du es vormachst so weit als möglich. Und halten ethische Distanz, so dass jeder Einzelne, der mit dir zu tun hat, für sich entscheiden kann, ob er deine Werte attraktiv findet und ihnen folgen möchte oder nicht.

Das Gleiche gilt fürs Privatleben. Du kannst immer nur mit gutem Beispiel vorangehen und hoffen, dass andere folgen. Alles andere wäre übergriffig.

Also bleib locker und lasse andere anders sein als du… 😉

Hanne Demel

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