Kommunikation

Ethik-Stammtisch: Was ist gute Führung und wie kann jeder dazu beitragen?

Ethik-Stammtisch: Was ist gute Führung und wie kann jeder dazu beitragen?

Foto: Pat Christ

Was ist gute Führung? Und wie kann jeder Einzelne zu einer guten Führung beitragen, egal ob Mitarbeiter oder Führungskraft?

Ethik-Stammtisch: Zusammenfassung des Live-Stammtisches und des Online-Stammtisches. Ein erzählter Bericht, kein Protokoll!

"Gute Führung ist Mangelware. Wieso gibt’s eigentlich keine Ausbildung für Führungskräfte?“, fragt eine Teilnehmerin. „Alle anderen Berufe brauchen doch auch eine extra Ausbildung, aber für Führungskräfte gibt’s nur ein paar magere Weiterbildungen. Doch um sich weiterzubilden, muss man ja erst mal ausgebildet werden, oder nicht?“

Führungsqualitäten - und wo findet man die?

Foto: istock.com istock-dk

Eine Zeitlang überlegen die Teilnehmer, wo Führungskräfte denn eigentlich ihre Qualitäten und Fähigkeiten herbekommen und schleifen können, doch das Ergebnis bleibt eher dürftig. „Das ist schon eine traurige Bilanz! Zumal viel Stress in Unternehmen auf schlechte Führung und mangelnde Wertschätzung zurückzuführen ist“, meint jemand.

Die drei "M's"

Dann meldet sich ein Unternehmer und Berater zu Wort: „Die wichtigsten Qualitäten sind doch die drei M’s!“ Fragende Gesichter in der Runde. „Na ist doch ganz klar“, meint er ginsend. „Man Muss Menschen Mögen!“ Okay, das findet Zustimmung. „Genau, wer Menschen nicht mag, hat auch nichts in einer Führungsposition verloren.“

Eine bis dato stille Teilnehmerin kommt mit einem anderen Aspekt daher: eine gute Menschenkenntnis sei wichtiger. MME! Man muss Menschen erkennen. Das verstehe sie unter einer ethischen Führung. Nur wenn man die Talente in anderen erkennt, kann man Menschen zufrieden machen und an die Positionen setzen, die ihnen entsprechen.

Hierarchien haben sich verändert, oder?

Natürlich, und sie verändern auch die Führungskultur. Nicht jeder Mitarbeiter und auch nicht jede Führungskraft eigne sich für flache Hierarchien. Viele brauchen auch einfach klare Strukturen und Vorgaben. Andere wiederum wollen Verantwortung übernehmen und selber Entscheidungen treffen. Die Bandbreite ist riesig.

Foto Pat Christ

Da ist er wieder, der Dschungel in der Führungslandschaft...  

Es scheint ein rechter Eiertanz und überhaupt nicht einfach zu sein, eine gute Führungskultur aufzubauen und allen Mitarbeitern gerecht zu werden.

Doch einig sind sich dann wiederum alle in dem Punkt, dass Führungskräfte vor allem kommunizieren müssen. Nur dann schaffen sie eine offene und vertrauensvolle Atmosphäre, in der Mitarbeiter sich auch trauen, einen Fehler zuzugeben. Kommunikation ist eine menschliche Eigenschaft, die von Einzelnen mehr oder auch weniger gut beherrscht wird. Die Ausbildung für Führungskräfte sollte also als erste Basis Kommunikationstraining sein. Und Selbstreflexion!

Am besten sollten Führungskräfte doch wie gute Eltern sein… 😉

Eine sorgenvolle Frage bleibt also zum Schluss:

Wie kann man die Überhöhung und die Übererwartung an Führungskräfte am besten etwas runterschrauben? Auch Führungskräfte sind nur Menschen…

Brauchen Führungskräfte deiner Meinung nach eine Ausbildung oder nur ein Training für bewusstes, freundliches und menschliches Verhalten? Was meinst du dazu?

Und eine weitere Frage, die ich noch in den Raum stellen möchte: Was können Mitarbeiter tun, um aus ihren Führungskräften GUTE Führungskräfte zu machen? Diese Frage ist mir – obwohl mehrmals gestellt – etwas untergegangen. Vielleicht hast du noch eine Antwort?

Bitte schreibe hier gern einen Kommentar, damit die Diskussion weitergehen kann!

Und wenn du eine Spende für die Organisation des Ethik-Stammtisches geben willst, kannst du das hier tun:


Posted by Hanne Demel in Ethische Themen, Führung, 4 comments
Anstand und Ethik in der schriftlichen Kommunikation

Anstand und Ethik in der schriftlichen Kommunikation

Foto Pixabay: geralt

Ethik-Stammtisch: Zusammenfassung des Live-Stammtisches und des Online-Stammtisches. Ein erzählter Bericht, kein Protokoll!

Zunächst einmal kommt eine interessante Deutung auf. Anstand kommt von Anstehen, also Zurückstehen, sich zurücknehmen. Wer sich anständig verhält, lässt anderen mehr Raum. Er hält selbst erstmal inne und sondiert die Lage. Fühlt, was stimmig ist. Hört anderen zu.

Kein Widerspruch. Okee, denke ich. Lasst uns mal ein bisschen diskutieren:

Was ist mit den Social Media, frage ich also.

 

Foto Pixabay: geralt

Und wie erwartet werden sofort ganz andere Stimmen laut. Die rauben uns die Zeit, die nehmen die Möglichkeit, persönlich miteinander zu sprechen, die Leute schreiben nur negativ, beschimpfen sich…

Und sofort kommen auch Gegenstimmen. Aber nein, das ist nur eine andere Form der Kommunikation. Die gilt es zu akzeptieren. Die jungen Menschen gehen bereits mit mehr Bewusstsein an die Social Media heran! Sie lassen sich weniger reinziehen in den Social Stream als die ältere Generation, die gerade erst angefangen hat, sich damit zu beschäftigen.

Da sieht man’s mal wieder, wie schnell Urteile fallen. Was der eine begrüßt, findet der andere verwerflich. Doch über eines sind sich alle wieder einig: Kommunikation sollte wertschätzend sein, sowohl schriftlich als auch mündlich. Und dazu muss man sich Zeit lassen.

Und was ist mit E-Mails?

Hier gehen die Meinungen schon wieder auseinander. Sollen E-Mails eine nette Einleitung, einen Hauptteil und ein freundliches Ende haben? Oder kann man so richtig schön fränkisch mit der Tür ins Haus fallen und kurz und knapp gleich auf den Punkt kommen? Beides wird befürwortet. Das finde ich interessant. Es gibt hier keinen Konsens. Vermutlich liegt das daran, wieviel gefühlte Zeit jeder Einzelne zur Verfügung hat, sich mit E-Mail & Co zu beschäftigen.

Bei 100 Mails am Tag kann ich keine episch langen Mails lesen, sagt ein Teilnehmer. Da hab ich’s gern kurz und knapp auf den Punkt. Und lange Mails erzeugen bei mir Druck, ebenso ausführlich antworten zu müssen. Da ich aber wenig Zeit habe, schiebe ich die Antwort vor mir her und laufe Gefahr, gar nicht zu antworten.

Doch einen Anhaltspunkt gibt es nun doch: eine Teilnehmerin unterscheidet „sachliche“ und „persönliche“ E-Mails. Während die sachlichen kurz und knackig sein können, sollten die persönlichen doch ein paar freundliche Worte a la Einleitung Hauptteil und Schluss enthalten, meint sie.

Foto Pixabay: Free-Photos

Und wie steht es mit den Gefühlen?

Die eigenen Gefühle sollte man in der schriftlichen Kommunikation deutlicher beschreiben, da sie im geschriebenen Wort nicht unbedingt richtig erfasst werden können. Jeder verbindet schließlich mit bestimmten Worten etwas anderes.

Naja, dafür gibt’s ja auch die Emoticons, sage ich. Sie ersetzen die fehlende Körpersprache ein Stück weit und machen es leichter, den anderen zu verstehen. Ich benutze sie gern und bedaure es, dass ich mein Newsletterprogramm sie nicht darstellen kann.

Eine Teilnehmerin beschreibt nun einen ganz anderen Aspekt. Sie sagt, es wäre wichtig, zu schauen, was für sie selbst stimmig ist. Dabei bildet sie sich eine Meinung. Diese ist wertfrei in Bezug auf andere. Anders wäre es, wenn sie ein Urteil fällt. Dieses Urteil schließe eine Bewertung des anderen und dessen Verhalten mit ein. Und dazu habe sie kein Recht. Eine feine aber klare Unterscheidung, wie fast alle bestätigen.

Zeichnung Hanne Demel

 

Unser Fazit des Abends: Man könnte Regeln aufstellen für die Online-Kommunikation und diese gemeinsam abstimmen. Und wer das Wort „Regeln“ nicht mag, findet „Absprachen“. Man könnte auch die E-Mail-Signaturen anpassen und verschiedene Abschlussfloskeln als Textbaustein anlegen. Kurz, lang, förmlich, herzlich… Und mit den Social Media muss jeder so umgehen, wie er mag. Anstand ist, dass ich andere so behandle, wie ich selbst behandelt werden möchte. Und dass meine Wahrheit nicht automatisch die Wahrheit der anderen ist.

Und wenn du weiter mitdiskutieren willst, kannst du das gern hier im Kommentar tun! 🙂

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Deine Stimme „verrät“ dich

Deine Stimme „verrät“ dich

Zeichnung: Hanne Demel

Neulich rief mich eine Freundin an. Ich hörte beim ersten Wort, dass es ihr nicht gut ging. Im Gespräch bestätigte sich meine erste Wahrnehmung.

Deine Stimme macht dich nackig…

… denn sie lässt deine Emotionen noch deutlicher durchdringen als deine Mimik. Selbst wenn jemand versucht, seine wahren Gefühle zu verbergen, verrät der Klang der Stimme sogar noch mehr als die Mimik. Deshalb kannst du auch am Telefon coachen und Menschen helfen.

Die Mimik kannst du in weniger als einer Sekunde unter Kontrolle bringen. Aber um die Stimme zu kontrollieren, brauchst du 10 bis 15 Sekunden. Und auch dann ist es nur bedingt möglich, den Klang so zu verändern, dass man nicht mehr hört, wie’s dir geht.

Muskelbewegungen verraten alles…

… sagt Max, der Coach aus dem Bohnenland.

„Jedes Gefühl geht mit Körperbewegungen einher. Deine Mimik entsteht durch Muskelbewegungen. Auch der Klang deiner Stimme wird durch Muskelbewegungen in deinem Hals gesteuert, die deine Stimmbänder spannen oder lockern.
Erinnere dich mal an dein letztes Gespräch mit jemandem, dem es nicht gut ging. Oder der sehr müde war. Noch bevor du das richtig sehen konntest, hast du es vermutlich schon gehört, richtig?“

Gefühle werden oft kaschiert

Das ist menschlich und normal. Niemand will immer ALLES zeigen, was in ihm vorgeht. Häufig wird z. B. Unsicherheit mit Lächeln kaschiert. Trauer wird oft mit Wut oder mit einem versteinerten Gesicht überdeckt. Es gibt Menschen, die es perfektioniert haben, ihr Gesicht zu versteinern. Sie wollen keinerlei Gefühlsregungen nach außen dringen lassen.

Doch die wahren Emotionen kommen trotzdem durch – zum Leidwesen eines jeden Pokerface… 😉

Den echten Gefühlsausdruck in der Mimik kann ein geübter Mensch zwar innerhalb kürzester Zeit wieder wegwischen, aber du kannst trotzdem den ersten Impuls sehen, wenn du hinschaust.

Was zeigen dir Mikroausdrücke

Die Mimik des echten Gefühls zeigt sich innerhalb der ersten Sekunde. Das ist der Mikroausdruck, den man nicht kontrollieren kann. Erst nach ca. einer Sekunde ist das Bewusstsein in der Lage, einen anderen Ausdruck „drüberzuschieben“.

Weitere Gefühlsausdrücke wie z. B. Veränderungen im Atemrhythmus, in der Transpiration und der Herzaktivität brauchen schon 10 bis 15 Sekunden, bis sie wieder zurückgefahren werden können. Auch diese Veränderungen kannst du wahrnehmen, wenn du aufpasst und gut hinspürst.

Und was heißt das jetzt fürs Coaching?

  • Beobachte dein Gegenüber und schau nicht allzu häufig weg. Je besser du hinschaust, umso mehr siehst du diese kleinen flüchtigen aber sehr echten Gefühlsregungen.
  • Vertrau deiner Wahrnehmung, wenn du den Eindruck hattest, dass der Schatten eines Gefühls übers Gesicht gehuscht ist. Du liegst damit bestimmt öfter richtig als du denkst.
  • Am besten sprichst du deine Wahrnehmung an und fragst nach, ob sie stimmt. Damit kannst du deine Treffsicherheit aufbauen.
  • Achte dabei aber auch auf sensible Themen, die dein Gegenüber eventuell eher verleugnen würde als zuzugeben, dass du Recht hattest. Achte in dem Fall auf die Vehemenz der Verneinung. Fällt sie sehr stark aus, hattest du vermutlich Recht.
  • Gewöhne dir grundsätzlich an, die Menschen um dich herum nach klitzekleinen Gefühlsregungen abzutasten. Dadurch erhöhst du die Sensibilität deiner Wahrnehmung.

Also, bleib dran, übe und sei ein aufmerksamer Zuhörer!

Hanne Demel

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Wenn alle anderen schlechte Laune haben oder: Warum emotionales Management wichtig ist

Wenn alle anderen schlechte Laune haben oder: Warum emotionales Management wichtig ist

Foto: Armin Kümmert

Kürzlich lief mir jemand über den Weg, der machte ein so griesgrämiges Gesicht, dass ich richtig schlechte Laune bekam. Ich verlor ruckzuck die Lust am Arbeiten.

Als ich dann aber so drüber nachdachte, erinnerte ich mich, dass ich auch schon vor dieser Begegnung etwas schlechte Laune gehabt hatte. Und dann wurde mir klar, dass ich an diesem Tag bereits mehreren äußerst griesgrämigen Leuten begegnet war.

Das ist mir an diesem Tag wieder eingefallen, weil ich’s schon mal gelesen hatte, und zwar in dem Buch von Paul Ekman: „Gefühle lesen“. Ich fragte mich also, was zuerst da war, die Henne oder das Ei. Meine schlechte Laune oder die griesgrämigen Gesichter um mich herum.

Der Negativ-Effekt

Kennst du diesen Effekt? Deine eigenen Emotionen sind entscheidend für die Bewertung deiner Umwelt. Sie dienen quasi als Teppich, auf dem du deine Wahrnehmung ausbreitest. Und nicht nur das. Dieser Teppich ist die Basis für deine Urteile über andere. Du fällst sie in der Regel so, dass sie deine eigenen Emotionen bestätigen und bestärken. Du gibst dir quasi selber den Anlass und die Rechtfertigung zugleich für deine Gefühlslage.

In der Regel kommst du an Gefühle, die von deiner momentanen Gefühlslage sehr abweichen, nicht mehr heran. Wenn du also schlechte Laune hast, wirst du kaum jemanden entdecken, der so richtig gut gelaunt ist. Und wenn, dann findest du ihn vermutlich albern, überzogen und unecht…

Unterstellungen sind inbegriffen

Dabei bewertest du auch „neutrale“ Inhalte nach deiner Gefühlslage. Zum Beispiel sagt jemand zu dir: „Das muss fertig werden!“ Wenn du dich gestresst fühlst, hörst du darin einen Vorwurf an dich. Wenn du dich unsicher fühlst, hörst du eine Abwertung. Wenn du dich fröhlich fühlst, hörst du eine Aufforderung. Und so weiter.

Das bedeutet, du kannst dir nie hundertprozentig sicher sein, wie jemand etwas meint. Und deshalb brauchst du auch nie darauf bestehen, Recht zu haben. Denn:

  • Deine Gefühle sind deine Bewertungen.
  • Deine Bewertungen sind deine Wahrnehmung und dein Denken.
  • Deine Wahrnehmung und dein Denken bestimmen dein Verhalten.
  • Dein Verhalten ist dein „Karma“ und letztendlich dein Schicksal.

Das eigene „Karma“ verändern

In der buddhistischen Ethik sprich man davon „Karma aufzulösen“. Was heißt das eigentlich? Es bedeutet, deine Gewohnheiten im Denken und Fühlen zu verändern. Und zwar mit folgenden Schritten:

  • Räume immer ein, dass du auch falsch liegen könntest in deiner Interpretation.
  • Prüfe deine eigene Gefühlslage immer wieder, bis es zur Gewohnheit geworden ist.
  • Probiere aus, bewusst umzuinterpretieren und erweitere deinen Rahmen somit Stück für Stück.
  • Suche dir aktiv täglich etwas, das dich in gute Stimmung versetzt.
  • Sprich freundlich mit dir selbst.

Bewusstsein ist die Basis für Veränderungen in deinem Leben. Du hast es immer selbst in der Hand, wohin du dich entwickelst. Wie sich dein Unternehmen entwickelt. Wie deine Mitarbeiter „sich fühlen“. Und vieles mehr.

Bleib dran und freu dich deines Lebens. Das wünsch ich dir von Herzen.

Deine Hanne Demel

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Trance als Arbeitsgrundlage im Coaching 

Trance als Arbeitsgrundlage im Coaching 

Zeichnung: Hanne Demel

Hast du dich schon mal gefragt, weshalb Trance und Mentaltraining so wirkungsvoll ist? Jeder Gedanke, jede Vorstellung und jedes Erlebnis geht mit bestimmten Gehirnaktivitäten einher.Man hat im Gehirnscan festgestellt, dass bloße Vorstellungen beinahe die gleiche neuronale Aktivität im Gehirn auslösen wie „real“ Erlebtes.

Das hat Vor- und Nachteile. Nachteil ist, dass ein Trauma immer wieder Flashbacks erzeugen kann, wenn der Betroffene durch einen Trigger daran erinnert wird.

Vorteil ist, dass Vorstellungen und Gedanken, die bewusst eingesetzt und gelenkt werden, ebenso Hirnaktivitäten auslösen. Und jede Hirnaktivität stärkt die beteiligten neuronalen Verbindungen, nach dem Motto: „Use it or loose it“…

Wie kannst du Trancezustände im Coaching nutzen?

Innere Bilder sprechen meist tiefere Bewusstseinsschichten an. Sobald dein Klient inneren Bildern folgt, ist er mit der Aufmerksamkeit ganz in seinen inneren Prozessen. Das ist die „Arbeitstrance“, in der er neue neuronale Verbindungen knüpfen und stärken kann.

Trance ist ein völlig normaler Geisteszustand, in den jeder von mehrmals am Tag fällt. Immer wenn die eigenen Gedanken schweifen, während wir etwas ganz „automatisch“ tun, sind wir schon in einer leichten Trance. Du kennst das auch unter dem Begriff „Tagträumen“.

Trance

Max, der Coach aus dem Bohnenland, sagt zur Trance:

„Du solltest Heilungsprozesse über heilsame innere Bilder anregen. Wenn du einem Klienten etwas mit Mitgefühl beschreibst, wird er ebenso mit Mitgefühl darauf schauen können. Gib ihm neue Sichtweisen! Indem er gedanklich und bildlich mitgeht, erschafft er in seiner Gehirnstruktur neue Verbindungen.“

Deshalb kannst du deine Klienten mit Mentaltraining unterstützen. Hilf ihnen, über innere Bilder, Vorstellungen, Gedanken und Gefühle eigene Ressourcen zu finden und anzuzapfen. Mit jedem heilsamen und hilfreichen Gedanken aktivierst du die Heilung. Jedes Mal, wenn du Versöhnliches sprichst, aktivierst du Versöhnung.

 

Und wie geht Mentaltraining?

  • Nutze eine bildhafte Sprache, um den visuellen Cortex im Gehirn zu stimulieren.
  • Nutze eine sanfte Stimme und liebevolle Worte, um den auditiven Bereich zu stimulieren.
  • Und nutze deine Zugewandtheit und Konzentration, um seinen kinästhetischen Kanal zu erreichen, Vertrauen zu schaffen und ihm ein gutes neues Gefühl zu geben.

Also vergiss nicht – Coaching ist ein feines Handwerk, das man lernen kann. Sei ein guter Coach!

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 Hanne Demel

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Deine Stimme ist eines deiner Hauptwerkzeuge

Deine Stimme ist eines deiner Hauptwerkzeuge

Zeichnung: Hanne Demel

Im Coaching entscheidet deine Stimme und die Stimmlage, ob und wie genau dich dein Coaching-Kunde versteht. Nimm mal als Beispiel diesen Satz:

„Was hast du getan“ (bewusst ohne Satzzeichen)

• Nun betone ihn mal so, dass die Stimme am Ende abfällt,
• lass die Stimme am Ende ansteigen,
• sprich ihn ganz leise,
• und jetzt mal richtig laut.

Verstehst du?

Dein Tonfall sagt, was du wirklich meinst. Du kannst eine Aussage machen und sie wie eine Frage klingen lassen. Du kannst auch eine Frage stellen und sie wie eine Aussage klingen lassen.

Schichtmodell oder Zwiebelmodell der Persönlichkeit

Gehen wir von dem Modell der Vielschichtigkeit der Persönlichkeit aus. Es gibt ganz „alte“ Strukturen, Gefühle und Reaktionsmuster, die in der frühen Kindheit angelegt wurden. Und es gibt „jüngere“ Strukturen, das sind Reaktionsmuster, die in späteren Jahren dazugelernt wurden.

Stimme-im-Coaching

Zeichnung: Hanne Demel

Du brauchst den richtigen Zugang

Je nachdem, um was es im Coaching geht, brauchst du bzw. der Coachee Zugang zu verschieden Strukturen oder Seiten in der Persönlichkeit, die alle unterschiedlich „alt“ sind. Nun, wie bekommst du am besten Zugang zu den verschiedenen Seiten? Mit deiner Stimmlage!

Du kannst jede einzelne Seite mit jeweils einer anderen Stimmlage ansprechen und diese unterschiedlichen Stimmlagen beibehalten, wenn du diese Seite erneut ansprechen willst. Das Unterbewusstsein deines Coachee wird dich dann sofort versteht und wissen, „wen“ du gerade meinst, auch wenn du diese Seite nicht erneut benennst.

Wenn du in tiefere Schichten des Bewusstseins eintauchen willst, solltest du sanfter und leiser klingen. Und je „älter“ die Persönlichkeitsanteile sind, die du ansprechen willst – also Anteile, die schon in der frühen Kindheit entstanden sind – umso vorsichtiger solltest du sprechen. Denn dann sprichst du quasi mit dem „Kind im Inneren“. Das erschrickt, wenn du zu laut bist und es verschließt den Zugang.

Und wenn du das Bewusstsein dann wieder in Richtung hier und heute lenken willst…

… kannst du lauter werden, um die Alltagsebene zu aktivieren und die tiefen Schichten wieder zuzuschließen.

Beobachte einfach mal, welche Wirkung deine Stimmlage bei anderen erzeugt. Vor allem beobachte dich auch, welche Stimmlage du bei welchen Personen wählst. Wenn man mit Babys und Kleinkindern spricht, klingt die eigene Stimmlage unwillkürlich höher, leiser und sanfter. Sie bekommt weniger Volumen, damit das Baby sich angesprochen fühlt und nicht erschrickt.

Wenn du dich in einem Raum voller Erwachsener deutlich bemerkbar machen oder dich durchsetzen willst, wirst du deine Stimme unwillkürlich so laut und tief wie möglich klingen lassen.

Beobachte dich selbst

Nimm dir die nächste Zeit doch einfach mal als Übungszeit, um den Klang deiner Stimme zu beobachten. Wie verändert er sich, wenn du mit unterschiedlichen Menschen sprichst?

Und wenn du Lust hast, schreibe mir eine Mail und berichte von deinen Erkenntnissen. Stell mir Fragen, erzähl mir von deinen Herausforderungen. Nimm Kontakt mit mir auf, schreib mir, ruf mich an…)

Hanne Demel

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Aktives Zuhören reicht im Coaching nicht

Aktives Zuhören reicht im Coaching nicht

Zeichnung: Hanne Demel

Hast du dich schon mal mit dem Thema aktives Zuhören richtig auseinandergesetzt? Das richtige Zuhören ist das A und O im Coaching, die Basis für den Kontakt zum Coachee und zum Problem. Denn als Coach solltest du tief in Kontakt kommen mit dem Problem. Du musst ihm nahe sein, es greifen und beschreiben können. Nur so kannst du das Unterbewusstsein deines Gegenübers durch gut gewählte Worte neu strukturieren helfen.

Du kennst das sicher: du erzählst etwas und der andere hört nur mit halbem Ohr hin. Das nervt. Aber woran merkst du denn normalerweise, ob der andere dir zuhört oder nicht? Er nimmt Kontakt mit dir auf, er schaut dich an, wendet sich dir zu, nickt, sagt etwas Passendes dazu…

Das ist aktives Zuhören und ich nehme an, das ist dir bekannt.

Aktives Zuhören – und was braucht es dann noch?

Zuhören im Coaching geht noch viel weiter. Es reicht nicht, ab und zu mal zu nicken und „aha“ zu sagen. Du willst ja etwas mitkriegen von deinem Gegenüber, und wenn möglich etwas, das ihm selber noch gar nicht so richtig bewusst ist. Emotionen zum Beispiel, die unter der Oberfläche liegen und zeigen, wo die „Arbeitsenergie“ ist, wo es wirklich hakt oder unter den Nägeln brennt. Das heißt dann „Menschen lesen“. Dazu brauchst du eine feine Körperwahrnehmung.

Schau ins Gesicht

Achte auf jede kleine Veränderung im Gesichtsausdruck. Achte darauf, ob dein Gegenüber den Mund fester schließt, mit den Kiefergelenken knackt oder die Zähne zusammenbeißt.
Achte auch darauf, wie tief dein Gegenüber atmet und ob sich etwas am Rhythmus verändert.

Schau auf den Körper

Achte auf die Körperhaltung, auf Veränderungen während er spricht. Achte auf ein Zucken der Finger oder ein Übereinanderschlagen der Beine, auf ein Zurechtruckeln im Stuhl oder ein Zurücklehnen, nach vorn Beugen, Seitenwechsel.

Beobachte die Veränderungen im ganzen Körper. Dann kannst du auch wahrnehmen, ob du gut im „Pacing“ bist und der andere mit dir schwingt oder nicht. Pacing ist das Einstimmen der Körperbewegungen aufeinander, aber dazu ein andermal mehr. Wenn du das alles beachtest, dann bist du schon ein ganzes Stück tiefer im System deines Gegenübers. Du kannst ablesen, welche emotionalen Bewegungen im Unterbewusstsein schlummern und wo Blockaden sind. Die werden vor allem dann sichtbar, wenn das Gesagte plötzlich nicht mehr zum Körperausdruck passt. Dann wird es spannend, denn genau da sitzt Stress. Und da findest du den Knackpunkt, der dich weiterführt.

Nimm die nächsten zwei Wochen als Übungszeit, um deine Körperwahrnehmung zu schärfen. Beobachte die Menschen um dich herum genauer. Achte auf die Dinge, die ich genannt habe, und vergleiche, was du nun an Informationen von deinem Gegenüber aufgenommen hast.

Und wenn du Lust hast, schreibe mir eine Mail und berichte von deinen Erlebnissen und Erfahrungen.

 Hanne Demel 

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  Der Einstieg in die Coaching-Session

 Der Einstieg in die Coaching-Session

Zeichnung: Hanne Demel

Der Aufbau von Vertrauen ist enorm wichtig. Dein neuer Klient soll sich entspannen können, und zwar möglichst vom ersten Augenblick an. Wenn er vorher noch nie dagewesen ist, fühlt er sich vermutlich unsicher, nervös, vielleicht etwas misstrauisch. Zumindest ist er vorsichtig.

Schauen wir doch mal, wie Max, der Coach aus dem Bohnenland, das macht. Max geht ganz unbeschwert und sehr herzlich auf neue Klienten zu. Zunächst holt er die Leute direkt an der Eingangstür ab. Und das nicht nur, weil der Türöffner meistens kaputt ist…

Er bringt sie in seinen Beratungsraum und bietet ihnen Platz an. Klar, denkst du jetzt sicher, was denn auch sonst.

Die Session beginnt an der Tür

Schon an der Haustür beginnt Max unbemerkt zu arbeiten. Seine Aufmerksamkeit ist voll und ganz auf den neuen Klienten gerichtet. Er nimmt bereits viele Details wahr, denn er beobachtet Körperhaltung, Körperspannung, Bewegung, Blick und vieles mehr. Deshalb sieht er meist schon an der Tür, ob sein neuer Klient mit einer depressiven Haltung kämpft, angestaute Energie oder unausgedrückte Emotionen mit sich herumträgt.

Tee oder Kaffee – das ist hier die Frage …

… und ein bisschen Smalltalk, um das Eis zu brechen. Und bevor es dann so richtig losgeht, erklärt er kurz etwas über seine Arbeitsmethoden und über den systemischen Blick. Und dass die wichtigen Punkte oft nicht dort zu finden sind, wo der Klient sie bisher vermutet hat.

Max fordert am Anfang und auch zwischendurch immer wieder ganz bewusst auf, die bisherigen Überlegungen beiseite und sich überraschen zu lassen von dem, was auftaucht. Jedes Gefühl von Überraschung ist gut, sagt Max. Denn dort bewegt sich sein Klient schon außerhalb der gewohnten Denkmuster.

Und er sagt den Leuten, dass sie ihm jederzeit widersprechen können und sollen, wenn er etwas falsch verstanden hat. Das schenkt dem neuen Klienten Sicherheit und das Gefühl, die Kontrolle zu behalten.

Auch der Smalltalk ist ein Hinweis

Manche Leute brauchen am Anfang ein bisschen mehr, manche ein bisschen weniger Smalltalk. Eine Faustregel ist, dass der Smalltalk umso kürzer ausfällt, je höher der innere Leidensdruck ist.

Allerdings, sagt Max, wenn jemand aus dem Smalltalk nicht mehr herauskommt, ist die Angst vor dem Thema groß. Dann versucht Max vorsichtig tiefer einzutauchen, indem er Themen aufgreift, Fragen stellt. Und zwar so lange, bis er den Einstieg gefunden hat.  

Wie schaffst du eine vertrauensvolle Atmosphäre?

Am Anfang steht die Entspannung. Max schenkt heißen Tee oder Kaffee ein, der Raum ist gemütlich und ausreichend warm. Im Zweifelsfall lieber zu warm als zu kalt. Das alles trägt dazu bei, dass der Klient sich „zu Hause“ fühlt. Und das will Max erreichen, das Gefühl, zu Hause zu sein, vertraut, nah und in Sicherheit.

Was brauchst du selbst

Manchmal kommen Klienten sehr ängstlich und verspannt. Wenn dann deine Spiegelneuronen diese Ängstlichkeit aufnehmen und du die Spannung deines Klienten wiederspiegelst, wirst du eine schwierige Session erleben. Dann braucht es den bewussten Einsatz von Techniken, die bei der Entspannung helfen, damit ihr beide euch wohlfühlen könnt.

Beobachte dich in der nächsten Zeit, was du selbst brauchst, um dich entspannt und in Sicherheit zu fühlen, << Test Vorname >>. Je bewusster dir das ist, umso leichter kannst du es einsetzen und für deine eigene Entspannung im Coaching sorgen.

Und beobachte auch, was andere Leuten brauchen und was du unwillkürlich selbst tust, wenn andere sich bei dir wohlfühlen sollen.

Also bleib dran! Und vergiss nicht – Coaching ist ein feines Handwerk, das man lernen kann. Sei ein guter Coach!

Hanne Demel

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Auf die richtige Wortwahl im Coaching kommt es an

Auf die richtige Wortwahl im Coaching kommt es an

Die Wortwahl im Coaching ist nicht so leicht

Die gleichen Worte bedeuten nicht dasselbe für verschiedene Menschen. Jeder Einzelne hat seinen eigenen Wortschatz und verbindet mit jedem Wort ein individuelles Gefühl. Manche Worte mögen sich für dich gut anfühlen, doch jemand anders verbindet etwas Unangenehmes damit. Im schlimmsten Fall eine Abwertung. Continue reading →

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Nicht geschimpft ist Lob genug

Nicht geschimpft ist Lob genug

Foto Pixabay: Gellinger

Wertschätzung als Basis von Engagement und Gesundheit

Nicht geschimpft ist Lob genug – eine für unsere Breitengrade typische Aussage! In Amerika zum Beispiel wäre ein solcher deutscher Rauhbart sehr schnell unten durch. Dort herrscht eine völlig andere und intensivere Lobkultur vor als hierzulande.

Wertschätzung ist ein menschliches Grundbedürfnis

Wertschätzung bedeutet gesehen zu werden, den eigenen Beitrag gewürdigt zu wissen. Je weniger ein Mensch davon erhält, umso schneller verliert er die Lust, sich zu engagieren. Deshalb ist Wertschätzung in Organisationen unabdingbar für die Zusammenarbeit und das Engagement von Einzelnen und von Teams.

Wertschätzung ist etwas anderes als Lob

Lob lässt sich nicht direkt mit Wertschätzung gleichsetzen. Denn ein Lob von jemand zu erhalten kommt einer Belohnung gleich. Dahinter steht eine Beurteilung seiner Leistung. Das kann auch herablassend oder arrogant wirken. Derjenige, der das Lob ausspricht, steht über dem Gelobten, da er sich in der Position fühlt, die Leistung des anderen zu beurteilen. Dieses Lob stammt daher aus den inneren Konzepten und Erwartungen desjenigen, der lobt. Der Gelobte erfüllt diese Erwartungen.

Die Wirkung von Lob

Lob kann völlig unterschiedlich wirken, je nachdem wie es eingesetzt wird. Lobt man z. B. einen Mitarbeiter für ein gutes Ergebnis, so fällt ein Teil dieses Lobes auf andere Umstände zurück. Ein gutes Ergebnis ist meist das Zusammenspiel von vielen Einzelnen oder auch von einer Portion Glück. Das Loben eines guten Ergebnisses bedeutet immer ein Stück Unkontrollierbarkeit und damit auch Unsicherheit, weil nicht garantiert werden kann, dass der Gelobte dieses gute Ergebnis wiederholen kann.

Lobt man jedoch für die Anstrengung und die Ausdauer, die ein Mitarbeiter unternommen hat, um dieses Ergebnis zu erzielen oder auch nur dazu beizutragen, so wird dieser Mitarbeiter dieses Lob sich selbst und seinem persönlichen Einsatz zuschreiben können. Somit kann er diese Belohnung selbst kontrollieren und wiederholen. Er weiß genau, was er dafür tun muss. Das erzeugt ein hohes Maß an innerer Sicherheit.

An falscher Stelle kann zu viel Lob auch Faulheit verursachen oder das Ego aufblasen. Wenn ein Lob unspezifisch kommt wie zum Beispiel „Du bist so super, Du bist einfach der Beste“… So etwas hinterlässt leicht ein Gefühl von Allmacht und stoppt persönliche Anstrengung. Eine Führungskraft sollte Lob also sehr klar einsetzen, um die von ihr gewünschte Wirkung zu erzeugen.

Wertschätzung ist ganzheitlich

Ganz anders ist da die Wirkung von Wertschätzung. Durch sie fühlt sich ein Menschen im Ganzen gesehen. Wertschätzung betrifft nicht nur eine einzelne Leistung. Man kann auch dann jemanden schätzen, wenn er gerade Mist gebaut, einen Misserfolg geerntet oder sich negativ verhalten hat. Wertschätzung ist eine innere Haltung. Und als solche ist sie der dauerhafte Kitt zwischen den Menschen. Diese Haltung hält Beziehungen aufrecht und schafft Bindungen.

Wertschätzung sieht für jeden Einzelnen anders aus

Aber wie findet man heraus, die richtige Ausdrucksweise für Wertschätzung zu finden? Für jeden Menschen erzeugt etwas anderes das Gefühl, geschätzt zu werden. Wenn der eine sich tatsächlich ein Lob wünscht, möchte der andere vielleicht eine kleine konkrete Aufmerksamkeit. Ein dritter aber wünscht sich womöglich, die Zeit zu bekommen, damit er seine Gedanken in Ruhe und ungestört ordnen kann etc. Wertschätzung kann auf tausend verschiedene Arten ausgedrückt und empfunden werden. Daher ist es auch wesentlich für denjenigen, der Wertschätzung geben möchte, genau zu beobachten und nachzufragen, was beim anderen als solche ankommt. Zirkuläre Fragen aus der Psychotherapie und dem Coaching könnten dabei Klarheit schaffen. „Woran würdest du merken, dass ich dich schätze?“, oder „was muss ich tun, um dir das Gefühl zu geben, geschätzt zu sein?“ wären Beispiele dafür.

Wertschätzung in Unternehmen

Gute Beziehungen werden nicht nur im privaten Bereich geschaffen. Eine ganze Unternehmenskultur und das Miteinander werden durch Wertschätzung geprägt. Sie bildet die Grundlage für Wohlbefinden und gute Beziehungen. Untersuchungen haben einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem gefühlten Mangel an Wertschätzung und der Höhe des Krankenstandes gezeigt. Die Motivation sinkt in dem Maß, wie gerügt, getadelt und missachtet wird. Mitarbeiter wollen für gute Arbeit gesehen, belohnt und geschätzt werden. Die typisch deutsche Mentalität des Nicht-Tadelns als ausreichendes Lob reicht da nicht. Mögen die Wirtschaftsunternehmen sich diese Zusammenhänge auf der Zunge zergehen lassen, denn letztendlich hängt der knallharte monetäre Gewinn davon ab.

Das genetische Programm der Schmerzvermeidung

Tatsächlich versucht jeder Mensch, Schmerz zu vermeiden und angenehme Gefühle zu erleben. Das ist in der evolutionären Entwicklung unseres menschlichen Gehirns so angelegt. Negative Erfahrungen wie Schmerz, Zurückweisung, Missachtung etc. werden sehr viel intensiver und dauerhafter gespeichert als gute angenehme Erfahrungen. Evolutionär bedingt ist das Glas immer halb leer und nicht halb voll. Das liegt daran, dass das genetische Überlebensprogramm auf Schmerzvermeidung ausgerichtet ist. Das, was uns unangenehme Gefühle verursacht – und da gehören auch seelische Missempfindungen wie missachtet werden dazu – wird möglichst vermieden. Das ist aus dem Blickwinkel des Urmenschen sehr sinnvoll, denn es sichert das Überleben. In unserer heutigen Kultur bedeutet das aber, dass eine Atmosphäre, die Unwohlsein und Schmerz verursacht, also z. B. eine nicht wertschätzende Atmosphäre, Vermeidungsstrategien triggert und Lustlosigkeit bis hin zu Krankheit und innerer Kündigung nach sich zieht.

Die Wirkung von Wertschätzung im menschlichen Gehirn

In der Hirnforschung hat man festgestellt, dass eine negative Erfahrung sich fünfmal so tief in das Erinnerungssystem des limbischen Systems im Gehirn einbrennt wie eine positive. Das bedeutet im Klartext, dass ein einziger Tadel fünf Situationen des Lobes gefühlt zerstören kann. Dieses Verhältnis sollten sich Führungskräfte sehr deutlich vor Augen führen, damit sie die Wirkung, die sie bei ihren Mitarbeitern erzielen, besser einschätzen können. Tadel sollte aus dieser Sicht heraus möglichst in Form von wertschätzender und konstruktiver Kritik erfolgen.

Dankbarkeit ist Wertschätzung pur

Der einfachste Weg, Wertschätzung zu zeigen, ist dankbar zu sein. Dankbarkeit als ernst gemeinte innere Haltung und nicht nur als äußerliches Lippenbekenntnis ist eine sehr starke Form, anderen etwas zu geben und sie wahrzunehmen. Dankbarkeit schafft Beziehung und Bindung. Tiefe Dankbarkeit geht immer einher mit Wertschätzung. Diese beiden Haltungen sind wie ein siamesisches Zwillingspaar, das nicht getrennt werden kann. Eine dankbare Haltung berührt, selbst wenn sie nicht sehr geschliffen ausgedrückt wird.

Wertschätzung bringt Unternehmenserfolg

Menschen wollen sich einsetzen und einen guten Beitrag leisten. Auch das ist ein menschliches Grundbedürfnis. Ein Unternehmer, der seine Mitarbeiter schätzt und deren Erfolge würdigt, schafft mit der Zeit eine Atmosphäre, in der gute Beziehungen und Engagement selbstverständlich sind. Das ist der leichteste Weg, Wertschöpfung zu praktizieren, den Krankenstand zu senken und den Erfolg aller zu mehren.

Hanne Demel

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