Klarheit

Mindguide – der Führer im Geist

Mindguide – der Führer im Geist

Was ist eigentlich ein „Mindguide“

„Mind“ steht für „Geist“, also das Mentale in uns. Guide ist der Führer. Wenn du einen guten Führer für deinem eigenen Geist hast, kann er dir helfen, für dich persönlich schwierige Situationen zu lösen. Sicher hast du schon Menschen getroffen, die sich selber sehr gut im Griff haben, oder? Was glaubst du, woran das liegt? Und wie geht das?

Ohne Aufmerksamkeit ist alles nix…

Aufmerksamkeit ist der Schlüssel zur Veränderung. Dein Gehirn kann immer nur kleine Ausschnitte dessen aufnehmen, was „da draußen“ passiert. Das ist so, als wenn ein Stroboskop Lichtblitze tackert und dabei immer nur Bruchteile einer Bewegung beleuchtet.

Dabei entstehen Lücken im Gehirn

Naja, sagen wir mal lieber, Lücken in der Wahrnehmung. Es gibt keinen Nonstop-Input, damit wäre deine Reizverarbeitung heillos überfordert.

Diese Lücken bemerkst du aber nicht, denn dein Gehirn ergänzt sie mit deinen schon vorhandenen Erfahrungen. Deine aktuelle Wahrnehmung wird also auch von intern gespeist. Dabei füllt dein Gehirn die Lücken einfach auf. So erlebst du einen kontinuierlichen Ablauf, der sich seeeehr real anfühlt.

Doch genau durch diese internen Ergänzungen kann es passieren, dass zwei unterschiedliche Menschen ein und dieselbe Situation völlig unterschiedlich wahrnehmen. Und sich dann zu streiten beginnen. Du siehst, worauf das hinausläuft? Es gibt kein absolutes Recht haben. Alles hängt von deiner Aufmerksamkeit ab. Und von deinen Vorerfahrungen, die du im „limbischen System“ deines Gehirns abgespeichert hast.

So war’s zum Beispiel auch bei Karl und Gustav…

Es war ein regnerischer Tag mit dunklen Wolken. Die rissen jedoch immer wieder auf und dann brach die strahlend helle Sonne durch. Der Tag war also gleichermaßen regnerisch wie sonnig.

Zwei Brüder, Karl und Gustav saßen im Zimmer und waren sehr vertieft in ihre Bücher. Sie schauten beide immer wieder mal aus dem Fenster, um die Augen zu entspannen. Doch in unterschiedlichen Momenten.

Karl sah dabei häufiger, wie die Sonne strahlend hell durch die Wolken brach und alles hell erleuchtet. Er hätte das Buch beinahe weggelegt und wäre nach draußen gelaufen. Tat er aber nicht.

Gustav aber sah öfter die trübe dunkle Wetterlage und den leichten Regenschauer. Gustav fröstelte und war froh, nicht vor die Tür zu müssen. Er blieb sehr gern in der warmen Bude.

Am nächsten Tag bedauerte Karl, dass er an diesem herrlichen Sonnentag nicht rausgegangen war. Gustav jedoch erwiderte, dass dieser trübe Regentag ja wohl sch… gewesen wäre. Er wäre froh, gewesen nicht vor die Tür zu müssen.

Und so gab eins das andere. Sie kamen in Streit. Warum? Weil jeder seine Wahrnehmung mit der ihm an der wahrscheinlichsten erscheinenden Annahme ergänzt hatte. Und jeder dachte, er hätte Recht. Wie das bei Brüdern halt manchmal so ist…

Warum also ist ein Mindguide hilfreich

Es kommt immer darauf an, welcher Reiz im Gehirn ankommt und wie er intern bewertet und ergänzt wird. Und genau da setzt ein Mindguide an. Er lenkt deine Aufmerksamkeit auf die Punkte in deinem Leben, die dein Handeln und dein Lebensgefühl verändern können. Er hilft dir, deine Wahrnehmung mit positiven Momenten und Erfahrungen zu ergänzen. Er führt dich raus aus einem Teufelskreis, denn:

  1. Deine Wahrnehmung erzeugt deine Gedanken.
  2. Deine Gedanken erzeugen deine Gefühle.
  3. Deine Gefühle lenken dein Handeln.
  4. Dein Handeln erzeugt Resonanz im Außen.
  5. Diese Resonanz nimmst du wieder wahr…

Nur du allein kannst das durchbrechen, indem du deine Aufmerksamkeit lenkst. Der Mindguide hilft dir beim Lenken, denn er zeigt mit dem Finger auf das, was entscheidend deine Wahrnehmung prägt.

Im Grunde hast du es jederzeit in der Hand, ob du dich gut oder schlecht fühlst. Ob du in einen Streit einsteigst oder nicht. Ob du misstrauisch wirst oder nicht.

Selbst wenn du einen Anlass hättest, in die Luft zu gehen, könntest du dennoch auf viele verschiedene Weisen reagieren.

Reiz und Reaktion sind zwei Paar Schuhe

Anlass ist der Außenreiz. Die Reaktion aber findet in dir statt. Tief in deinem Inneren entscheidet dein Unterbewusstsein, wie du reagierst. Das merkst du gar nicht.

Das Gesetz des Stärkeren

Es herrscht im Unterbewusstsein. Und stärker ist immer das, was unangenehme Gefühle in dir auslöst. Solche Erfahrungen werden umso intensiver gespeichert. Das dient der Prävention, denn daraus bastelt dein System Überlebensmechanismen. Die steuern von da an dein Verhalten, selbst wenn die Situation gar nicht so bedrohlich ist wie die ursprüngliche. In der Regel ist dir aber nicht bewusst, dass du gerade „alte“ Verhaltensmuster abrufst.

Wenn dich zum Beispiel jemand anschreit, ziehst du unwillkürlich den Kopf ein und wirst still. Oder du baust dich auf und schreist sofort zurück. Je nachdem, wie du das früher bereits getan hast. Deine Reaktion gehört zu deinem Überlebensmuster. Es wird durch das Schreien angetriggert. Du rufst dieses Verhalten ab, ohne über das „Warum“ nachzudenken.

Das Frühwarnsystem im Gehirn

Entscheidend für deine Reaktionen ist das limbische System. Es gleicht ununterbrochen die Außenreize, die bei dir ankommen, mit deinen früheren Erfahrungen ab. Ähnelt sich etwas, schlägt es sofort Alarm. Und befeuert damit die instinktiven Reaktionen.

Es ist also eine Art Frühwarnsystem, das blitzschnell reagiert. Du benutzt dabei alte Überlebensmuster. Die sind oftmals aber nicht die besten Reaktionsmuster für die aktuelle Situation.

Automatismen sind nicht das Gelbe vom Ei

Doch um an diesen Automatismen etwas zu verändern, brauchst du Aufmerksamkeit. Du musst beobachten, was passiert. Du brauchst innere Distanz zu den Dingen. Diese innere Distanz schenkt dir nämlich auch Zeit. Und Zeit ist in diesem Fall enorm wertvoll. Nun kannst du NACHDENKEN und deine Reaktionen überdenken und anpassen. Das geschieht in einem völlig anderen Teil deines Gehirns. Nur dort kommst du aus deinen Reflexen heraus und kannst Neues ausprobieren und lernen. Du kannst bewusst überlegen, welches Verhalten dir aktuell den größten Gewinn bringt. Du kannst bewusst dein Überleben sichern, ohne dass das deine antrainierten Reflexe übernehmen müssen.

Emotionen sind nett, wenn du sie hast, aber nicht, wenn sie dich haben

Wenn du so deinen Geist lenken lernst, gewinnst du eine unglaublich große Bandbreite an Verhaltensmöglichkeiten. Vor allem kommst du in die Lage, deine Emotionen zu steuern.

Die innerliche Distanz zu all dem, was geschieht, ist keine Entfremdung oder Gleichgültigkeit. Sie entsteht einfach dadurch, dass du dich selber beobachtest und reflektierst.

Das Timing entscheidet

Mit der Zeit kannst du immer früher regulierend eingreifen. Ohne innere Distanz überrollt dich deine Wahrnehmung und du reagierst wie ein Ertrinkender, der im Wasser um sich schlägt. Ein versierter Schwimmer hingegen weiß, wo Strömungen auf ihn lauern, die ihn mitreißen könnten, wann er paddeln muss und wann er sich treiben lassen sollte.

Versteh mich bitte nicht falsch, auch die unbewussten reflexhaften Reaktionen haben ihre Daseinsberechtigung und sind in Notsituationen höchst sinnvoll. Doch in der Regel nicht in sozialen Interaktionen und in emotionalen Situationen.

Ein Mindguide hilft dir, diese innere Distanz zu finden. Er hilft dir vor allem, an den richtigen Stellen achtsam zu sein. Diese Achtsamkeit entwickelt sich nicht von allein. Sie braucht stetige Erinnerungshilfen. Der Mindguide gibt dir diese Erinnerungshilfen. Er lenkt dein Augenmerk auf die Stellen in deinem Leben, die für Entwicklung und Veränderung entscheidend sind. Mit ihm bekommst du regelmäßige Impulse, die dir eine Spur legen, in der du sicher entlanggehen kannst.

Willst du einen Mindguide?

Wenn du Interesse hast, dann schau dich auch hier mal um und melde dich für ein kostenfreies Erstgespräch. Wir eruieren deinen persönlichen Mindguide und legen die Spur. Und dann kann’s losgehen. Ich unterstütze dich und gehe wöchentlich mit dir den nächsten Schritt.

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Welche Fragen helfen dir, ethisch zu entscheiden

Welche Fragen helfen dir, ethisch zu entscheiden

Foto Pixabay: geralt

Welche Ebenen kannst du abklopfen, wenn du ethisch entscheiden willst?

Gute und ethische Entscheidungen wollen erarbeitet werden. Doch wie geht das? Das ist gar nicht so leicht, ethisch zu entscheiden.

Eine Möglichkeit ist es, darüber zu reflektieren, aus welcher Ebene oder Geisteshaltung heraus du eine Entscheidung treffen willst. Continue reading →

Posted by Hanne Demel in Entscheidungen treffen, Ethisch leben, 0 comments
Wie wirken sich starke Emotionen auf deine Entscheidungen aus

Wie wirken sich starke Emotionen auf deine Entscheidungen aus

Foto Pixabay: Activedia

Starke Emotionen haben eine große Wirkung in deinem Geist 

  • Was passiert in dir, wenn du in starken Emotionen haften bleibst?
  • Wie kannst du da gegensteuern?
  • Wie kannst du deine Entscheidungen auf einer ethischen Basis treffen, die allen nützt?

Schau dir dazu dieses Video auf Youtube an!

Komm in meinen Onlineworkshop!

Hier findest du mehr Infos dazu.

Posted by Hanne Demel in Ethisch leben, 0 comments
Ethische Entscheidungen treffen – dazu braucht es die richtigen Tools

Ethische Entscheidungen treffen – dazu braucht es die richtigen Tools

Foto Pixabay: Ramdlon

Hast du schon mal vor einer Entscheidung gestanden, die weitreichende Konsequenzen hatte für dich persönlich oder für dein Business? Und warst du dabei emotional belastet? Emotionen können klare Entscheidungen massiv torpedieren.

Emotionen vernebeln den Blick

Wenn du zornig bist, solltest du möglichst gar keine Entscheidung treffen. Du würdest vermutlich das Kind mit dem Bade ausschütten. Wenn du ängstlich bist, zögerst du zu lange.
Du bist dir nicht sicher, welche Ressourcen dir zur Verfügung stehen. Du weißt auch nicht, wer dich unterstützen könnte und wie. Und wenn du vor Freude juchzt, ist das auch keine besonders stabile Entscheidungsgrundlage. Dein Überschwang könnte dich verleiten, zu weit zu gehen. Und so weiter.

Die Refraktärphase der Gefühlswallung

Wenn ein starkes Gefühl auftaucht, entsteht eine kurze Phase, in der die Wahrnehmung eingeschränkt ist. Man nennt sie „Refraktärphase“ und sie ist in etwa wie ein Tunnelblick. Das aktuelle Gefühl überdeckt fast alles andere. In diesem Moment solltest du am besten gar nichts entscheiden. Du kannst keine „vernünftige“ Beurteilung der Situation vornehmen.

Die Refraktärphase dauert mindestens ein paar Sekunden bis einige Minuten. In sehr emotionalen Situationen kann sie sogar einige Stunden anhalten. Erst dann öffnet sich der Blick wieder.

Also lass dir Zeit, wenn du Entscheidungen treffen musst!

Gedankenkreisel versus Vorwärtsenergie

Für- und Wider-Stimmen in deinem Kopf machen es unmöglich, einen klaren Standpunkt zu finden. Das kann sich quälend lange hinziehen, je nachdem, was für ein Typ du bist.

Dann ist es wichtig, Entscheidungen in größeren Zusammenhängen mit ihren Auswirkungen zu betrachten. Es geht dann nicht darum, dass du dir mehr Zeit nimmst, sondern dass du deine Optionen SPÜRST. Gedankenkreisel schneiden dich nämlich von deinem Körpergefühl ab.

Probier mal Folgendes aus:

Wenn du gerade vor einer Entscheidung stehst und sehr emotional bist, dann erlaube dir bewusst, erst morgen oder übermorgen zu entscheiden. Nimm dir mehr Zeit, als du’s üblicherweise tun würdest. Beobachte dabei, wie sich deine Gefühle im Lauf der Tage verändern. Ich bin z. B. jemand, die sehr schnell entscheidet und handelt. Das habe ich oft schon recht teuer bezahlt.

Wenn du eher jemand bist, der in Gedankenkreiseln gefangen ist, dann versetze dich doch mal gedanklich in die verschiedenen Optionen. Stell sie dir vor, du hättest jeweils schon so entschieden. Und nun spüre ganz genau und in aller Ruhe, wie sich das anfühlt. Beziehe deinen ganzen Körper ein. Manchmal kann man so schon spüren, was das Richtige ist.

Manchmal braucht es auch einen Blick von außen

Deine Reaktionen und auch deine Entscheidungen entstehen aus tiefen Gewohnheiten. Ganz so leicht kommst du da nicht raus. Wenn du ein Werkzeug hast, das dir einen Blick von außen ermöglicht, kann dir das Klarheit bringen. Eine systemische Aufstellung z. B. ist so ein Werkzeug.

In einer Aufstellung kannst du deine verschiedenen Optionen ausbreiten und unmittelbar spüren, wie sie sich anfühlen. Du kannst auch verschiedene Aspekte einbeziehen und dir darüber Klarheit verschaffen, wie sie sich auswirken.

Hanne Demel

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Deine Konzepte reichen weiter als du denkst – der Halo-Effekt! 

Deine Konzepte reichen weiter als du denkst – der Halo-Effekt! 

Zeichnungen: Hanne Demel

Hast du schon mal was vom Halo-Effekt gehört? Und hast du schon mal über deine eigenen Konzepte nachgedacht? Es gibt Effekte in deiner Wahrnehmung, die du kennen solltest, wenn du mit anderen Menschen klar umgehen willst.

Landkarten in deinem Kopf

Deine Vorerfahrungen haben bestimmte Landkarten in deinem Gehirn gebildet.Diesen Landkarten entsprechend ordnest du deinem aktuellen Gegenüber immer noch ein paar weitere Eigenschaften zu, die du bei ihm vermutest.

Diesen Effekt nennt man Halo-Effekt. Das bedeutet, dass deine Erwartungen die tatsächlichen Eigenschaften deines Gegenübers „überstrahlen“ können.

Der Halo-Effekt

Dein Kunde ist braunhaarig, trägt eine Hornbrille, Anzug und Krawatte. Unbewusst gehst du davon aus, dass er auch intelligent und zuverlässig ist.

Oder du hast jemanden vor dir, der jemandem, den du kennst, sehr ähnlich sieht. Du glaubst nicht, wie schwer es im Coaching sein kann, dich innerlich immer wieder zur Ordnung zu rufen, weil du denkst, du kennst DIESEN Menschen bereits.

Wie du wachsam bleiben kannst

Max der Coach aus dem Bohnenland„Klar gibt es Menschentypen, die sich charakterlich und äußerlich ähneln“, sagt Max, der Coach aus dem Bohnenland. „Aber bei der Zuordnung solltest du extrem große Vorsicht walten lassen. Am leichtesten geht das, wenn du dich immer wieder ganz öffnest und dich überraschen lässt. Ja, Offenheit kann man üben! Stell dir einfach immer wieder vor, du begegnest diesem Menschen gerade das erste Mal.“

Max erzählte mir mal von einer Klientin, die er ständig mit jemand anderem verwechselt hatte. Sein Gefühl, sie bereits zu kennen, ließ ihn zu forsch vorgehen. Dadurch hatte er sich nicht das Vertrauen dieser Klientin erarbeitet, so wie es zu Beginn des Coachings notwendig und wichtig gewesen wäre. Und sie dadurch verloren.

Sei dir immer deiner eigenen Konzepte und Gedankenmuster bewusst. Nur so kannst du diese auch in Frage stellen oder sie aktiv über Bord werfen. Und findest leichter und direkter Zugang zu deinem Gegenüber.

Dazu habe ich folgende Übung für dich:

Setze dich in ein Café und suche dir verschiedene Menschen aus. Nun denke dir Geschichten zu jedem Einzelnen aus. Wie lebt er, wie ist er. Lass deiner Fantasie freien Lauf.

Und nun vergleiche, welche Geschichten dir zu welchen Körpermerkmalen eingefallen sind. Reduziere deine Geschichten nun auf Stichpunkte und lass dich überraschen, welche Eigenschaften und weitere Zuordnungen du zu Haarfarbe, Größe, Kleidung etc. gemacht hast. Das ist der Halo-Effekt!

Und nun tausche die Geschichten, die du dir zu den einzelnen Menschen ausgedacht hast, aus Spaß und zur Übung einfach mal aus!

Bewusstsein ist alles!

Also vergiss nicht: Coaching ist ein feines Handwerk, das man lernen kann. Sei ein guter Coach!

Und noch was:

Die Coaching Tools sind übrigens auch für Führungskräfte geeignet, die ihre Mitarbeiter gut führen wollen. Wenn du jemanden kennst, empfehle doch diesen Blog oder auch meinen Newsletter einfach weiter. Das würde mich freuen.

 

Hanne Demel 

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Warum Mitgefühl hilfreich ist, Mitleid aber nicht

Warum Mitgefühl hilfreich ist, Mitleid aber nicht

Foto iStock.com: m-gucci

Vor kurzem habe ich eine Bekannte getroffen, die mir von der Misere einer Nachbarin erzählte. Ihr Mitleid mit der Nachbarin war grenzenlos. Ebenso ihr Gefühl von Hilflosigkeit. Sie lamentierte und redete sich immer mehr in Rage. Am Ende war sie fix und fertig und total gestresst. Und ich auch…

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl?

Wer „mit-leidet“, hat das Gefühl, nichts entgegensetzen zu können. Er erlebt sich hilflos. Und Hilflosigkeit schwächt das gesamte System.

Außerdem entsteht durch Mitleid leicht ein Gefälle. Spür mal diesen Worten nach: „Du tust mir leid, du Ärmste. Dass es bei dir aber auch immer wieder so dick kommt! Wenn ich nur wüsste, wie ich dir helfen kann…“

Da schwingt auch eine Spur von Arroganz mit. Ich schaue auf den anderen herab, wenn ich so spreche. Außerdem habe ich keine Idee, wie ich wirklich helfen könnte. Mir fehlt der innere Abstand. Und meine Worte tun der Bemitleidenswerten nicht besonders gut, denn sie verstärken das Leiden anstatt es zu lindern. Ich bestätige ihr nur, wie bedauernswert sie ist.

Mitleid fördert Burnout

Wenn ich keinen inneren Abstand habe, setze ich mich selbst zu stark in Bezug zum Leiden.

Dies ist übrigens eine Ursache für Ausbrennen. Psychische Gefährdungsbeurteilungen in Krankenhäusern haben gezeigt, dass Krankenschwestern, die sehr viel Mitleid empfinden,  schneller in einen Burnout rutschen als Krankenschwestern, die Mitgefühl entwickeln. Deshalb ist Mitgefühl so enorm wichtig.

Mitgefühl und die Erfahrung von Selbstwirksamkeit

Dinge aus eigener Kraft verändern zu können, schafft Selbstvertrauen und Vertrauen ins Leben. Diese Erfahrung der „Selbstwirksamkeit“ brauchst du, um mitfühlen zu können.

Das Vertrauen in dich, dass du hilfreich sein kannst, ist entscheidend. Oft muss es auch gar keine große Handlung sein. Manchmal genügt es, einfach da zu sein und nichts zu sagen. Etwas „aushalten“ zu können und da zu bleiben ist schon Trost spendend.

Du brauchst eigentlich nur genau beobachten, welche Wirkungen deine Handlungen haben. Dann weißt du auch, was gerade am hilfreichsten ist.

Mitgefühl entsteht durch Aufmerksamkeit

Wenn ich mitfühle, geht es nicht um mich. Ich sehe und spüre das Leiden, ohne es in Bezug zu mir selbst zu setzen. Ich halte innerlich Distanz, ohne meine Aufmerksamkeit für das Leiden zu verlieren. Innere Distanz erzeugt Handlungsfähigkeit.

Das erst lässt mich die richtigen Worte finden, die richtigen Dinge tun, die das Leiden nicht verstärken sondern vermindern. In mir bleibt es ruhig, außer Mitgefühl ist kein anderes Gefühl in mir.

Deshalb wird Mitgefühl in allen religiösen und spirituellen Traditionen angestrebt. Es schützt dich und hilft dir, dich nicht als Opfer zu fühlen.

Beobachte dich mal selbst in der nächsten Zeit. Wann fühlst du dich hilflos und wann kraftvoll im Angesicht von Leiden…

Hanne Demel

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Blockaden lösen über die gute Absicht

Blockaden lösen über die gute Absicht

Zeichnung: Hanne Demel

Die gute Absicht ist entscheidend

Im systemischen Coaching zielt dein Handeln darauf ab, zu integrieren. In einer Coaching-Session solltest du sofort hellhörig werden, wenn dein Kunde etwas loswerden will, das ihn stört, blockiert und behindert. Es ist verständlich, dass dein Kunde glaubt, wenn er eine ihm unangenehme Eigenschaft verlieren würde, dann könnten sich seine Probleme auflösen. Doch Eigenschaften und psychische Strukturen sind wie Körperteile – sie lassen sich nicht so einfach abschneiden. Denn dabei übersieht man die gute Absicht, die hinter jedem Verhalten steckt.

Du solltest die innere psychische Struktur verstehen

In den tiefen Schichten der Persönlichkeit gehört alles zusammen und bildet eine Einheit. Und diese Einheit ist streng logisch. Nichts ist wirklich irrational. Und mit diesem Blickwinkel beginnst du sofort nach der guten Absicht im System zu suchen, wenn du solch einen Wunsch hörst.

Nimm zum Beispiel jemand, der dir erzählt, dass die Leute in seiner Umgebung sich seiner Meinung nach nicht richtig verhalten und er sie häufig nicht verstehen kann. Das ärgert ihn und er kommt mit anderen deshalb nur schwer klar. Er fühlt sich oft wütend oder beleidigt und möchte dieses Gefühl gern loswerden, schafft es aber nicht.

Was du im systemischen Coaching in Erfahrung bringen solltest

Um das Gefühl zu verändern, sollte er verstehen, woher diese Wut wirklich kommt. Dein Coaching-Ohr hört, dass er alles daran setzt, dass andere sich so verhalten, wie er es für richtig hält. Du siehst seine Kontrollsucht und gehst davon aus, dass eine gute Absicht dahinter steckt. Entsprechend stellst du deine Fragen.

Schließlich erfährst du, dass die Mutter deines Klienten depressiv war und er sie emotional nicht hat greifen können. Entsprechend entwickelte er als Kind das Muster, auf die depressive Mutter „aufpassen“ zu müssen. Das hat er am besten hinbekommen, wenn er das Verhalten der Mutter gelenkt und kontrolliert hat. Seine permanenten Forderungen an die Mutter und seine Launenhaftigkeit machten die Reaktionen der Mutter vorhersehbar und damit greifbar.

Das kontrollierende Verhalten, das heute andere Menschen Abstand nehmen lässt oder Trotzreaktionen bei anderen auslöst, diente also dazu, das Leben seiner Mutter zu erhalten und sie in Sicherheit zu wissen, denn depressive Menschen sind immer auch leicht oder hochgradig suizidal. Jedes Kind spürt so etwas unterbewusst.

Was du brauchst, um Veränderungen anzustoßen

Du erkennst die tiefe Dringlichkeit und Verzweiflung, die hinter dieser Wut steckt. So etwas kann niemand einfach „loswerden“. Erst wenn du die innere Struktur erkennst, die mit der Liebe verbunden ist, wird die Motivation verstehbar. Und was man in der Tiefe verstehen kann, kann man auch ändern. Mit Geduld und Mitgefühl.

Deine Aufgabe als Coach ist es also, für jeden Kunden echtes Mitgefühl zu entwickeln und sorgfältig die zugrunde liegende Logik hinter dem Verhalten zu verstehen und wertschätzend aufzudecken. Anschließend kannst du für ihn übersetzen, weshalb andere Menschen heute abweisend auf ihn reagieren und du kannst ihm deutlich machen, dass sein Verhaltensmuster sich gar nicht auf die aktuelle Situation bezieht. Du kannst ihm zeigen, dass seine Wut der letzte Ausdruck einer tiefen Liebe ist.

Wie du Gefühle im systemischen Coaching verändern kannst

Erst jetzt lässt sich ein Gefühl „auflösen“, indem du bzw. dein Kunde es „in eine neue Form gießt“. Die Liebe, die in diesem Gefühl verborgen war, bekommt einen neuen Ausdruck und darf so weiter lebendig sein. Wie das ganz genau geht, schreib ich dir nächstes Mal.

So geht systemisches Denken. Es hilft, andere zu verstehen und ihnen zu helfen, sich selber besser zu verstehen. Im systemischen Coaching sollte dir diese Art zu denken in Fleisch und Blut übergehen.

 Hanne Demel

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  Der Einstieg in die Coaching-Session

 Der Einstieg in die Coaching-Session

Zeichnung: Hanne Demel

Der Aufbau von Vertrauen ist enorm wichtig. Dein neuer Klient soll sich entspannen können, und zwar möglichst vom ersten Augenblick an. Wenn er vorher noch nie dagewesen ist, fühlt er sich vermutlich unsicher, nervös, vielleicht etwas misstrauisch. Zumindest ist er vorsichtig.

Schauen wir doch mal, wie Max, der Coach aus dem Bohnenland, das macht. Max geht ganz unbeschwert und sehr herzlich auf neue Klienten zu. Zunächst holt er die Leute direkt an der Eingangstür ab. Und das nicht nur, weil der Türöffner meistens kaputt ist…

Er bringt sie in seinen Beratungsraum und bietet ihnen Platz an. Klar, denkst du jetzt sicher, was denn auch sonst.

Die Session beginnt an der Tür

Schon an der Haustür beginnt Max unbemerkt zu arbeiten. Seine Aufmerksamkeit ist voll und ganz auf den neuen Klienten gerichtet. Er nimmt bereits viele Details wahr, denn er beobachtet Körperhaltung, Körperspannung, Bewegung, Blick und vieles mehr. Deshalb sieht er meist schon an der Tür, ob sein neuer Klient mit einer depressiven Haltung kämpft, angestaute Energie oder unausgedrückte Emotionen mit sich herumträgt.

Tee oder Kaffee – das ist hier die Frage …

… und ein bisschen Smalltalk, um das Eis zu brechen. Und bevor es dann so richtig losgeht, erklärt er kurz etwas über seine Arbeitsmethoden und über den systemischen Blick. Und dass die wichtigen Punkte oft nicht dort zu finden sind, wo der Klient sie bisher vermutet hat.

Max fordert am Anfang und auch zwischendurch immer wieder ganz bewusst auf, die bisherigen Überlegungen beiseite und sich überraschen zu lassen von dem, was auftaucht. Jedes Gefühl von Überraschung ist gut, sagt Max. Denn dort bewegt sich sein Klient schon außerhalb der gewohnten Denkmuster.

Und er sagt den Leuten, dass sie ihm jederzeit widersprechen können und sollen, wenn er etwas falsch verstanden hat. Das schenkt dem neuen Klienten Sicherheit und das Gefühl, die Kontrolle zu behalten.

Auch der Smalltalk ist ein Hinweis

Manche Leute brauchen am Anfang ein bisschen mehr, manche ein bisschen weniger Smalltalk. Eine Faustregel ist, dass der Smalltalk umso kürzer ausfällt, je höher der innere Leidensdruck ist.

Allerdings, sagt Max, wenn jemand aus dem Smalltalk nicht mehr herauskommt, ist die Angst vor dem Thema groß. Dann versucht Max vorsichtig tiefer einzutauchen, indem er Themen aufgreift, Fragen stellt. Und zwar so lange, bis er den Einstieg gefunden hat.  

Wie schaffst du eine vertrauensvolle Atmosphäre?

Am Anfang steht die Entspannung. Max schenkt heißen Tee oder Kaffee ein, der Raum ist gemütlich und ausreichend warm. Im Zweifelsfall lieber zu warm als zu kalt. Das alles trägt dazu bei, dass der Klient sich „zu Hause“ fühlt. Und das will Max erreichen, das Gefühl, zu Hause zu sein, vertraut, nah und in Sicherheit.

Was brauchst du selbst

Manchmal kommen Klienten sehr ängstlich und verspannt. Wenn dann deine Spiegelneuronen diese Ängstlichkeit aufnehmen und du die Spannung deines Klienten wiederspiegelst, wirst du eine schwierige Session erleben. Dann braucht es den bewussten Einsatz von Techniken, die bei der Entspannung helfen, damit ihr beide euch wohlfühlen könnt.

Beobachte dich in der nächsten Zeit, was du selbst brauchst, um dich entspannt und in Sicherheit zu fühlen, << Test Vorname >>. Je bewusster dir das ist, umso leichter kannst du es einsetzen und für deine eigene Entspannung im Coaching sorgen.

Und beobachte auch, was andere Leuten brauchen und was du unwillkürlich selbst tust, wenn andere sich bei dir wohlfühlen sollen.

Also bleib dran! Und vergiss nicht – Coaching ist ein feines Handwerk, das man lernen kann. Sei ein guter Coach!

Hanne Demel

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