Emotionen

Warum es manchmal so schwer ist, Mitgefühl zu empfinden

Warum es manchmal so schwer ist, Mitgefühl zu empfinden

Bild: Pixabay skeeze

Wenn Mitgefühl unerreichbar scheint

Vor einer Weile habe ich mit Kurt, einem Abteilungsleiter in einem größeren mittelständischen Unternehmen, gearbeitet. Eine seiner Mitarbeiterinnen ging ihm so richtig auf den Keks. Er fand ihr Verhalten extrem zickig und unkollegial. Das tägliche Zusammentreffen mit ihr verursachte Kurt deshalb zunehmend Bauchschmerzen und Wut.

Nun war Kurt aber ein sehr ethisch orientierter Mensch, der Werte wie Mitgefühl und Hilfsbereitschaft sehr hoch ansiedelte. Er hatte außerdem den Wunsch, alle seine Mitarbeiter gleich zu behandeln. Aber mit jedem Tag hatte er mehr Mühe, Ruhe zu bewahren. Sein Zorn puffte ihm schließlich aus allen Poren.

Kennst du so eine Situation vielleicht auch? Ein Mensch löst in dir Abneigung und Wut aus. Und du fragst dich: Mitgefühl? Was ist das?

Weißt du, woran das liegen kann?

Der Wunsch, helfen zu wollen, hat seine Schattenseiten

Bei vielen Menschen ist der Wunsch, zu helfen, ein unbewusster innerer Zwang. Er bedient nämlich ein Überlebensmuster aus der Kindheit.

Es bildet sich heraus, wenn Kinder auf die eine oder andere Weise auf ihre Eltern „achtgeben“. Zum Beispiel, wenn sie die Eltern unklar, schwach oder belastet erleben. Sie versuchen dann, ihre Eltern zu unterstützen und ihnen über ihre altersgemäßen Fähigkeiten hinaus zu helfen.

Das innere Muster „ich muss helfen“

Es springt an, sobald jemand auftaucht, der hilfsbedürftig ist. So auch bei Kurt. Er fühlte sich irgendwie zuständig. Doch er konnte diese Mitarbeiterin nicht zu einem besseren Umgang mit anderen bewegen. Dadurch wuchs seine eigene Hilflosigkeit und sein Frust.

Wut schafft Abhilfe

Kurt schützte sich vor diesem Gefühlkonglomerat, indem er seine Wut kultivierte. Sein Mitgefühl schickte er damit in die Wüste. Denn das hätte seine Coping-Strategie gestört.

Die Wut half ihm dabei, innerlich Abstand zu halten. Auch wenn’s noch nicht der Weisheit letzter Schluss war, ging’s ihm damit irgendwie besser.

Verhaltensmuster verändern

Als wir seine tieferliegenden persönlichen Strukturen einbezogen, wurde Kurt klar, dass er innerlich zu wenig Abstand von seiner Mitarbeiterin hatte. Ihre zickige Hilflosigkeit hatte in ihm eine ungute und unbewusste Nähe erzeugt. Der früh gelernte Zwang, helfen zu müssen, war unbemerkt in den Vordergrund getreten.

Ab da fiel es ihm leichter, mit der Mitarbeiterin umzugehen. Er konnte innerlich mehr Abstand zu ihr halten und sprang nicht mehr unbewusst auf ihr Verhalten an. Er fühlte sich erleichtert. Vor allem aber entstand in ihm auch ein sehr klares und reines Mitgefühl, das ihn selbst überraschte.

Probier doch mal aus

Härte und Wut ist immer ein Selbstschutz. Nach dem Motto „besser wütend als hilflos“. Wenn du also nächstes Mal wütend auf jemand bist, prüf doch mal, wie nah du dich innerlich fühlst. Wenn da sehr wenig Distanz ist, erlaube dir, innerlich mehr Abstand zu nehmen. Lass die Verantwortung für die Auswirkungen seines Verhaltens bewusst beim anderen.

Wie fühlst du dich jetzt? Wie hat das gewirkt? Schreibst du’s hier in den Kommentar?

Selbstreflexion ist das mächtigste Tool für die eigene Entwicklung

Es gibt viele verschiedene tiefliegende Ursachen für Gefühle und Verhalten. Du kannst daran mit einem tiefgründigen Coaching einfacher und schneller etwas verändern, Hanne. Und es ist nachhaltiger, als wenn du’s allein versuchst.

Also melde dich, wenn ich dir irgendwo helfen kann! Und bleib gelassen, indem du dir deine Muster bewusst machst!

Deine Hanne Demel

 

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Wenn die Stimmung sinkt – psychische Gefährdungsbeurteilung in Unternehmen

Wenn die Stimmung sinkt – psychische Gefährdungsbeurteilung in Unternehmen

Foto Pixabay: saxonrider

Psychische Gefährdungsbeurteilung hätte das verhindert…

Neulich erzählte mir Anna, Führungskraft in einem mittelständischen Unternehmen in der Papierindustrie, dass die Stimmung in ihrer Abteilung immer mehr in den Keller zu fahren scheint. Kürzlich hätte ihr ein Mitarbeiter sogar richtig die Meinung gegeigt. Sie überlege sich tatsächlich Konsequenzen zu ziehen und ihn rauszuschmeißen.

Doch viel bringen würde das wohl nichts, meinte sie betrübt, denn die anderen Mitarbeiter machten auch nicht gerade zufriedene Gesichter. Doch Anna wusste nicht, woran das lag. Oder wie sie das ändern sollte. Sie fühlte sich einfach nicht wohl in ihrer Haut.

Wenn du sehr ehrgeizig bist…

  • … willst du viel erreichen, schnell sein, supergute Arbeit machen. Das bringt mitunter enormen Druck. Du musst fortwährend dranbleiben. Ein Nebeneffekt dieses Dranbleibens ist das Drankleben. Du merkst das daran, dass du abends beim Insbettgehen gedanklich noch immer um deine Arbeit kreist wie die Motte ums Licht.
  • … trifft dich Kritik manchmal bis ins Mark. Und ganz besonders dann, wenn du sehr an deiner Arbeit haftest. Du hast einfach keinen Abstand mehr. Deshalb nimmst du Kritik persönlich. Ist ja auch klar, denn du hängst mit deiner ganzen Person da drin und fühlst dich bewertet. Und wer will schon negativ bewertet werden.
  • … siehst du manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht. Du läufst Gefahr, betriebsblind zu werden. Das heißt, du bekommst nicht mit, wo Unzufriedenheit entsteht. Wann und weshalb sich deine Mitarbeiter langsam innerlich von dir verabschieden. Das aber bringt dir auf Dauer grooooßen Schaden.

Als Führungskraft brauchst du Abstand

Denn dranbleiben ist auch drankleben. Du bist dann emotional so beschäftigt mit dir selbst, dass du nicht mitkriegst, wie die Emotionen der anderen um dich herum sich verändern. Vielleicht weichen die Mitarbeiter innerlich zurück und schweigen. Vielleicht steigen die Krankentage. Doch ein hoher Krankenstand wirft seine Schatten weit voraus. Davor steht meist Dienst nach Vorschrift und Innere Kündigung.

Genau dafür gibt’s die psychische Gefährdungsbeurteilung

Diese gesetzlich vorgeschriebene Untersuchung, die jedes Unternehmen seit 2013 machen muss, das Mitarbeiter beschäftigt, setzt genau da an. Was stresst die Leute? Wie empfinden sie die Arbeit, die Drum-Herum-Bedingungen, die Führung? Es ist super hilfreich, dazu genauere Informationen zu sammeln und die auch ernst zu nehmen. Du kannst dein Business dadurch enorm aufpeppen und deine Bilanz nach oben pushen!

Wenn du mehr darüber erfahren oder das in deinem Unternehmen umsetzen möchtest, melde dich bei mir: 0931 2 90 71

Hanne Demel

 

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Ethik-Stammtisch: Was ist gute Führung und wie kann jeder dazu beitragen?

Ethik-Stammtisch: Was ist gute Führung und wie kann jeder dazu beitragen?

Foto: Pat Christ

Was ist gute Führung? Und wie kann jeder Einzelne zu einer guten Führung beitragen, egal ob Mitarbeiter oder Führungskraft?

Ethik-Stammtisch: Zusammenfassung des Live-Stammtisches und des Online-Stammtisches. Ein erzählter Bericht, kein Protokoll!

"Gute Führung ist Mangelware. Wieso gibt’s eigentlich keine Ausbildung für Führungskräfte?“, fragt eine Teilnehmerin. „Alle anderen Berufe brauchen doch auch eine extra Ausbildung, aber für Führungskräfte gibt’s nur ein paar magere Weiterbildungen. Doch um sich weiterzubilden, muss man ja erst mal ausgebildet werden, oder nicht?“

Führungsqualitäten - und wo findet man die?

Foto: istock.com istock-dk

Eine Zeitlang überlegen die Teilnehmer, wo Führungskräfte denn eigentlich ihre Qualitäten und Fähigkeiten herbekommen und schleifen können, doch das Ergebnis bleibt eher dürftig. „Das ist schon eine traurige Bilanz! Zumal viel Stress in Unternehmen auf schlechte Führung und mangelnde Wertschätzung zurückzuführen ist“, meint jemand.

Die drei "M's"

Dann meldet sich ein Unternehmer und Berater zu Wort: „Die wichtigsten Qualitäten sind doch die drei M’s!“ Fragende Gesichter in der Runde. „Na ist doch ganz klar“, meint er ginsend. „Man Muss Menschen Mögen!“ Okay, das findet Zustimmung. „Genau, wer Menschen nicht mag, hat auch nichts in einer Führungsposition verloren.“

Eine bis dato stille Teilnehmerin kommt mit einem anderen Aspekt daher: eine gute Menschenkenntnis sei wichtiger. MME! Man muss Menschen erkennen. Das verstehe sie unter einer ethischen Führung. Nur wenn man die Talente in anderen erkennt, kann man Menschen zufrieden machen und an die Positionen setzen, die ihnen entsprechen.

Hierarchien haben sich verändert, oder?

Natürlich, und sie verändern auch die Führungskultur. Nicht jeder Mitarbeiter und auch nicht jede Führungskraft eigne sich für flache Hierarchien. Viele brauchen auch einfach klare Strukturen und Vorgaben. Andere wiederum wollen Verantwortung übernehmen und selber Entscheidungen treffen. Die Bandbreite ist riesig.

Foto Pat Christ

Da ist er wieder, der Dschungel in der Führungslandschaft...  

Es scheint ein rechter Eiertanz und überhaupt nicht einfach zu sein, eine gute Führungskultur aufzubauen und allen Mitarbeitern gerecht zu werden.

Doch einig sind sich dann wiederum alle in dem Punkt, dass Führungskräfte vor allem kommunizieren müssen. Nur dann schaffen sie eine offene und vertrauensvolle Atmosphäre, in der Mitarbeiter sich auch trauen, einen Fehler zuzugeben. Kommunikation ist eine menschliche Eigenschaft, die von Einzelnen mehr oder auch weniger gut beherrscht wird. Die Ausbildung für Führungskräfte sollte also als erste Basis Kommunikationstraining sein. Und Selbstreflexion!

Am besten sollten Führungskräfte doch wie gute Eltern sein… 😉

Eine sorgenvolle Frage bleibt also zum Schluss:

Wie kann man die Überhöhung und die Übererwartung an Führungskräfte am besten etwas runterschrauben? Auch Führungskräfte sind nur Menschen…

Brauchen Führungskräfte deiner Meinung nach eine Ausbildung oder nur ein Training für bewusstes, freundliches und menschliches Verhalten? Was meinst du dazu?

Und eine weitere Frage, die ich noch in den Raum stellen möchte: Was können Mitarbeiter tun, um aus ihren Führungskräften GUTE Führungskräfte zu machen? Diese Frage ist mir – obwohl mehrmals gestellt – etwas untergegangen. Vielleicht hast du noch eine Antwort?

Bitte schreibe hier gern einen Kommentar, damit die Diskussion weitergehen kann!

Und wenn du eine Spende für die Organisation des Ethik-Stammtisches geben willst, kannst du das hier tun:


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Anstand und Ethik in der schriftlichen Kommunikation

Anstand und Ethik in der schriftlichen Kommunikation

Foto Pixabay: geralt

Ethik-Stammtisch: Zusammenfassung des Live-Stammtisches und des Online-Stammtisches. Ein erzählter Bericht, kein Protokoll!

Zunächst einmal kommt eine interessante Deutung auf. Anstand kommt von Anstehen, also Zurückstehen, sich zurücknehmen. Wer sich anständig verhält, lässt anderen mehr Raum. Er hält selbst erstmal inne und sondiert die Lage. Fühlt, was stimmig ist. Hört anderen zu.

Kein Widerspruch. Okee, denke ich. Lasst uns mal ein bisschen diskutieren:

Was ist mit den Social Media, frage ich also.

 

Foto Pixabay: geralt

Und wie erwartet werden sofort ganz andere Stimmen laut. Die rauben uns die Zeit, die nehmen die Möglichkeit, persönlich miteinander zu sprechen, die Leute schreiben nur negativ, beschimpfen sich…

Und sofort kommen auch Gegenstimmen. Aber nein, das ist nur eine andere Form der Kommunikation. Die gilt es zu akzeptieren. Die jungen Menschen gehen bereits mit mehr Bewusstsein an die Social Media heran! Sie lassen sich weniger reinziehen in den Social Stream als die ältere Generation, die gerade erst angefangen hat, sich damit zu beschäftigen.

Da sieht man’s mal wieder, wie schnell Urteile fallen. Was der eine begrüßt, findet der andere verwerflich. Doch über eines sind sich alle wieder einig: Kommunikation sollte wertschätzend sein, sowohl schriftlich als auch mündlich. Und dazu muss man sich Zeit lassen.

Und was ist mit E-Mails?

Hier gehen die Meinungen schon wieder auseinander. Sollen E-Mails eine nette Einleitung, einen Hauptteil und ein freundliches Ende haben? Oder kann man so richtig schön fränkisch mit der Tür ins Haus fallen und kurz und knapp gleich auf den Punkt kommen? Beides wird befürwortet. Das finde ich interessant. Es gibt hier keinen Konsens. Vermutlich liegt das daran, wieviel gefühlte Zeit jeder Einzelne zur Verfügung hat, sich mit E-Mail & Co zu beschäftigen.

Bei 100 Mails am Tag kann ich keine episch langen Mails lesen, sagt ein Teilnehmer. Da hab ich’s gern kurz und knapp auf den Punkt. Und lange Mails erzeugen bei mir Druck, ebenso ausführlich antworten zu müssen. Da ich aber wenig Zeit habe, schiebe ich die Antwort vor mir her und laufe Gefahr, gar nicht zu antworten.

Doch einen Anhaltspunkt gibt es nun doch: eine Teilnehmerin unterscheidet „sachliche“ und „persönliche“ E-Mails. Während die sachlichen kurz und knackig sein können, sollten die persönlichen doch ein paar freundliche Worte a la Einleitung Hauptteil und Schluss enthalten, meint sie.

Foto Pixabay: Free-Photos

Und wie steht es mit den Gefühlen?

Die eigenen Gefühle sollte man in der schriftlichen Kommunikation deutlicher beschreiben, da sie im geschriebenen Wort nicht unbedingt richtig erfasst werden können. Jeder verbindet schließlich mit bestimmten Worten etwas anderes.

Naja, dafür gibt’s ja auch die Emoticons, sage ich. Sie ersetzen die fehlende Körpersprache ein Stück weit und machen es leichter, den anderen zu verstehen. Ich benutze sie gern und bedaure es, dass ich mein Newsletterprogramm sie nicht darstellen kann.

Eine Teilnehmerin beschreibt nun einen ganz anderen Aspekt. Sie sagt, es wäre wichtig, zu schauen, was für sie selbst stimmig ist. Dabei bildet sie sich eine Meinung. Diese ist wertfrei in Bezug auf andere. Anders wäre es, wenn sie ein Urteil fällt. Dieses Urteil schließe eine Bewertung des anderen und dessen Verhalten mit ein. Und dazu habe sie kein Recht. Eine feine aber klare Unterscheidung, wie fast alle bestätigen.

Zeichnung Hanne Demel

 

Unser Fazit des Abends: Man könnte Regeln aufstellen für die Online-Kommunikation und diese gemeinsam abstimmen. Und wer das Wort „Regeln“ nicht mag, findet „Absprachen“. Man könnte auch die E-Mail-Signaturen anpassen und verschiedene Abschlussfloskeln als Textbaustein anlegen. Kurz, lang, förmlich, herzlich… Und mit den Social Media muss jeder so umgehen, wie er mag. Anstand ist, dass ich andere so behandle, wie ich selbst behandelt werden möchte. Und dass meine Wahrheit nicht automatisch die Wahrheit der anderen ist.

Und wenn du weiter mitdiskutieren willst, kannst du das gern hier im Kommentar tun! 🙂

Und wenn du eine Spende geben willst, kannst du das hier tun:


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Welche Fragen helfen dir, ethisch zu entscheiden

Welche Fragen helfen dir, ethisch zu entscheiden

Foto Pixabay: geralt

Welche Ebenen kannst du abklopfen, wenn du ethisch entscheiden willst?

Gute und ethische Entscheidungen wollen erarbeitet werden. Doch wie geht das? Das ist gar nicht so leicht, ethisch zu entscheiden.

Eine Möglichkeit ist es, darüber zu reflektieren, aus welcher Ebene oder Geisteshaltung heraus du eine Entscheidung treffen willst. Continue reading →

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Ethische Entscheidungen treffen – dazu braucht es die richtigen Tools

Ethische Entscheidungen treffen – dazu braucht es die richtigen Tools

Foto Pixabay: Ramdlon

Hast du schon mal vor einer Entscheidung gestanden, die weitreichende Konsequenzen hatte für dich persönlich oder für dein Business? Und warst du dabei emotional belastet? Emotionen können klare Entscheidungen massiv torpedieren.

Emotionen vernebeln den Blick

Wenn du zornig bist, solltest du möglichst gar keine Entscheidung treffen. Du würdest vermutlich das Kind mit dem Bade ausschütten. Wenn du ängstlich bist, zögerst du zu lange.
Du bist dir nicht sicher, welche Ressourcen dir zur Verfügung stehen. Du weißt auch nicht, wer dich unterstützen könnte und wie. Und wenn du vor Freude juchzt, ist das auch keine besonders stabile Entscheidungsgrundlage. Dein Überschwang könnte dich verleiten, zu weit zu gehen. Und so weiter.

Die Refraktärphase der Gefühlswallung

Wenn ein starkes Gefühl auftaucht, entsteht eine kurze Phase, in der die Wahrnehmung eingeschränkt ist. Man nennt sie „Refraktärphase“ und sie ist in etwa wie ein Tunnelblick. Das aktuelle Gefühl überdeckt fast alles andere. In diesem Moment solltest du am besten gar nichts entscheiden. Du kannst keine „vernünftige“ Beurteilung der Situation vornehmen.

Die Refraktärphase dauert mindestens ein paar Sekunden bis einige Minuten. In sehr emotionalen Situationen kann sie sogar einige Stunden anhalten. Erst dann öffnet sich der Blick wieder.

Also lass dir Zeit, wenn du Entscheidungen treffen musst!

Gedankenkreisel versus Vorwärtsenergie

Für- und Wider-Stimmen in deinem Kopf machen es unmöglich, einen klaren Standpunkt zu finden. Das kann sich quälend lange hinziehen, je nachdem, was für ein Typ du bist.

Dann ist es wichtig, Entscheidungen in größeren Zusammenhängen mit ihren Auswirkungen zu betrachten. Es geht dann nicht darum, dass du dir mehr Zeit nimmst, sondern dass du deine Optionen SPÜRST. Gedankenkreisel schneiden dich nämlich von deinem Körpergefühl ab.

Probier mal Folgendes aus:

Wenn du gerade vor einer Entscheidung stehst und sehr emotional bist, dann erlaube dir bewusst, erst morgen oder übermorgen zu entscheiden. Nimm dir mehr Zeit, als du’s üblicherweise tun würdest. Beobachte dabei, wie sich deine Gefühle im Lauf der Tage verändern. Ich bin z. B. jemand, die sehr schnell entscheidet und handelt. Das habe ich oft schon recht teuer bezahlt.

Wenn du eher jemand bist, der in Gedankenkreiseln gefangen ist, dann versetze dich doch mal gedanklich in die verschiedenen Optionen. Stell sie dir vor, du hättest jeweils schon so entschieden. Und nun spüre ganz genau und in aller Ruhe, wie sich das anfühlt. Beziehe deinen ganzen Körper ein. Manchmal kann man so schon spüren, was das Richtige ist.

Manchmal braucht es auch einen Blick von außen

Deine Reaktionen und auch deine Entscheidungen entstehen aus tiefen Gewohnheiten. Ganz so leicht kommst du da nicht raus. Wenn du ein Werkzeug hast, das dir einen Blick von außen ermöglicht, kann dir das Klarheit bringen. Eine systemische Aufstellung z. B. ist so ein Werkzeug.

In einer Aufstellung kannst du deine verschiedenen Optionen ausbreiten und unmittelbar spüren, wie sie sich anfühlen. Du kannst auch verschiedene Aspekte einbeziehen und dir darüber Klarheit verschaffen, wie sie sich auswirken.

Hanne Demel

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Mulmige Gefühle loswerden – wie geht das?

Mulmige Gefühle loswerden – wie geht das?

Foto Pixabay: nkostyshev

Hand aufs Herz – auch du kennst „Muffensausen“, wie man hier bei uns sagt, oder? Wenn du ein mulmiges Gefühl oder sogar Angst hast vor irgendwas? Ein Gefühl, das ich übrigens nicht besonders leiden kann. Aber du vermutlich auch nicht…

Angst entsteht durch Stress

Wenn Stresshormone in deinem Körper ansteigen, entscheidet dein inneres Bewertungssystem, ob du ausreichend Ressourcen und Möglichkeiten hast, um mit der Situation umzugehen. Wenn diese Prüfung negativ ausfällt, entsteht Angst. Du fühlst dich dann hilflos und ausgeliefert.

Sobald du jedoch etwas tun kannst, haben Angstgefühle Pause. Es gibt Menschen, die einen Flugzeugabsturz überlebt haben. Sie hatten keinerlei Angstgefühle dabei, weil sie sich darauf konzentrieren konnten, einen Hebel umzulegen, der die Tür öffnen würde, sobald sie „unten“ waren.

Was also kannst du tun, wenn du ein unangenehmes aber wichtiges Kundengespräch vor dir hast oder wenn du vor Menschen sprechen sollst, die dir weiche Knie machen?

 

Hier habe ich fünf Angst reduzierende Möglichkeiten für dich:

1. Ablenkung:

Deine Gefühle folgen deinem Denken. Was geht dir im Kopf herum? Vieles von dem, was ein mulmiges Gefühl auslösen kann, ist allein im Kopf, nicht „draußen“ in der „Realität“. Schaffe in dir also eine andere Realität, indem du an etwas anderes denkst oder indem du bewusst auf einen guten Ausgang vertraust.

2. Konfrontation:

Schau mal ganz genau hin, was es wirklich ist, das dir ein mulmiges Gefühl macht. Was wäre denn das Schlimmste, was passieren könnte? Und wie würdest du damit umgehen, wenn notwendig? Oft ist das Schlimmste, das passieren kann, gar nicht soooo schlimm, wenn du dir schon vorher Plan B und sogar Plan C überlegt hast. Hauptsache, du hast immer eine Möglichkeit, zu handeln.

3. Schritte neu planen:

Wenn du ein Ziel vor Augen hast, das dir eigentlich Angst macht, dann schau mal auf deine Schritte dorthin. Sind sie vielleicht zu groß? Schwingt in dir ein Gefühl von überfordert sein mit? Wenn du so etwas entdeckst, dann teile deine einzelnen Schritte nochmal in mehrere kleinere Teilschritte.

Nur wenn deine Schritte klein genug sind, kannst du ohne Furcht vorwärts gehen ohne Angst, auf die Nase zu fallen.

4. Dankbarkeit:

Dankbar zu sein bringt dich auf ein anderes Gefühlslevel. Es öffnet deinen Geist und aktiviert deine Ressourcen. Und zwar die, die nicht aus deinem Ego und der Anhaftung an dich selbst kommen. Wenn du dankbar bist, ist dein Geist auf das Gute gerichtet. Du versuchst dann automatisch dein Bestes zu geben, um etwas zurückzugeben.

Dein Ego wird „kleiner“, denn dein Blick geht nach außen. Du schaust auf die Menschen, die dir gut tun, dich versorgen. Du siehst auch deine Chancen. Deshalb ist es für dich viel weniger notwendig, dich zu „verteidigen“. Wenn dein Ego klein ist, vergibst du dir nichts dabei, einen Fehler einzugestehen. Oder dich zu entschuldigen, wenn du etwas falsch gemacht hast. Es gibt weniger Angriffsfläche für all das, was dir ein mulmiges Gefühl verursachen könnte. Krass gesagt: wo kein Ego da auch keine Angst…

5. Meditation:

Dein Geist braucht Ruhe und Weite, um Angst loslassen zu können. Die Meditation unterstützt dich dabei, nicht an deinen Gedanken und Gefühlen anzuhaften. Sie schenkt dir Sicherheit. Mit einem offenen Geist findest du ganz andere Lösungen, als wenn du engstirnig an etwas festhältst.

In der tiefen Ruhe einer guten Meditation lässt du all deine Gedanken weiterziehen so wie sie aufgetaucht sind. Du achtest nur auf deinen Atem.

Wenn etwas auftaucht, das dein Denken verengt und dir ein mulmiges Gefühl verursacht, sag dir selbst „darum kümmere ich mich, wenn die Zeit dafür reif ist, nicht jetzt“.

Nun spüre, was in dir passiert. Wie fühlst du dich?

Bitte schreibe mir eine Mail oder hinterlasse einen Kommentar hier im Blog. Ich freu mich drauf.

Hanne Demel

 

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Wenn alle anderen schlechte Laune haben oder: Warum emotionales Management wichtig ist

Wenn alle anderen schlechte Laune haben oder: Warum emotionales Management wichtig ist

Foto: Armin Kümmert

Kürzlich lief mir jemand über den Weg, der machte ein so griesgrämiges Gesicht, dass ich richtig schlechte Laune bekam. Ich verlor ruckzuck die Lust am Arbeiten.

Als ich dann aber so drüber nachdachte, erinnerte ich mich, dass ich auch schon vor dieser Begegnung etwas schlechte Laune gehabt hatte. Und dann wurde mir klar, dass ich an diesem Tag bereits mehreren äußerst griesgrämigen Leuten begegnet war.

Das ist mir an diesem Tag wieder eingefallen, weil ich’s schon mal gelesen hatte, und zwar in dem Buch von Paul Ekman: „Gefühle lesen“. Ich fragte mich also, was zuerst da war, die Henne oder das Ei. Meine schlechte Laune oder die griesgrämigen Gesichter um mich herum.

Der Negativ-Effekt

Kennst du diesen Effekt? Deine eigenen Emotionen sind entscheidend für die Bewertung deiner Umwelt. Sie dienen quasi als Teppich, auf dem du deine Wahrnehmung ausbreitest. Und nicht nur das. Dieser Teppich ist die Basis für deine Urteile über andere. Du fällst sie in der Regel so, dass sie deine eigenen Emotionen bestätigen und bestärken. Du gibst dir quasi selber den Anlass und die Rechtfertigung zugleich für deine Gefühlslage.

In der Regel kommst du an Gefühle, die von deiner momentanen Gefühlslage sehr abweichen, nicht mehr heran. Wenn du also schlechte Laune hast, wirst du kaum jemanden entdecken, der so richtig gut gelaunt ist. Und wenn, dann findest du ihn vermutlich albern, überzogen und unecht…

Unterstellungen sind inbegriffen

Dabei bewertest du auch „neutrale“ Inhalte nach deiner Gefühlslage. Zum Beispiel sagt jemand zu dir: „Das muss fertig werden!“ Wenn du dich gestresst fühlst, hörst du darin einen Vorwurf an dich. Wenn du dich unsicher fühlst, hörst du eine Abwertung. Wenn du dich fröhlich fühlst, hörst du eine Aufforderung. Und so weiter.

Das bedeutet, du kannst dir nie hundertprozentig sicher sein, wie jemand etwas meint. Und deshalb brauchst du auch nie darauf bestehen, Recht zu haben. Denn:

  • Deine Gefühle sind deine Bewertungen.
  • Deine Bewertungen sind deine Wahrnehmung und dein Denken.
  • Deine Wahrnehmung und dein Denken bestimmen dein Verhalten.
  • Dein Verhalten ist dein „Karma“ und letztendlich dein Schicksal.

Das eigene „Karma“ verändern

In der buddhistischen Ethik sprich man davon „Karma aufzulösen“. Was heißt das eigentlich? Es bedeutet, deine Gewohnheiten im Denken und Fühlen zu verändern. Und zwar mit folgenden Schritten:

  • Räume immer ein, dass du auch falsch liegen könntest in deiner Interpretation.
  • Prüfe deine eigene Gefühlslage immer wieder, bis es zur Gewohnheit geworden ist.
  • Probiere aus, bewusst umzuinterpretieren und erweitere deinen Rahmen somit Stück für Stück.
  • Suche dir aktiv täglich etwas, das dich in gute Stimmung versetzt.
  • Sprich freundlich mit dir selbst.

Bewusstsein ist die Basis für Veränderungen in deinem Leben. Du hast es immer selbst in der Hand, wohin du dich entwickelst. Wie sich dein Unternehmen entwickelt. Wie deine Mitarbeiter „sich fühlen“. Und vieles mehr.

Bleib dran und freu dich deines Lebens. Das wünsch ich dir von Herzen.

Deine Hanne Demel

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