Coaching

Deine Stimme „verrät“ dich

Deine Stimme „verrät“ dich

Zeichnung: Hanne Demel

Neulich rief mich eine Freundin an. Ich hörte beim ersten Wort, dass es ihr nicht gut ging. Im Gespräch bestätigte sich meine erste Wahrnehmung.

Deine Stimme macht dich nackig…

… denn sie lässt deine Emotionen noch deutlicher durchdringen als deine Mimik. Selbst wenn jemand versucht, seine wahren Gefühle zu verbergen, verrät der Klang der Stimme sogar noch mehr als die Mimik. Deshalb kannst du auch am Telefon coachen und Menschen helfen.

Die Mimik kannst du in weniger als einer Sekunde unter Kontrolle bringen. Aber um die Stimme zu kontrollieren, brauchst du 10 bis 15 Sekunden. Und auch dann ist es nur bedingt möglich, den Klang so zu verändern, dass man nicht mehr hört, wie’s dir geht.

Muskelbewegungen verraten alles…

… sagt Max, der Coach aus dem Bohnenland.

„Jedes Gefühl geht mit Körperbewegungen einher. Deine Mimik entsteht durch Muskelbewegungen. Auch der Klang deiner Stimme wird durch Muskelbewegungen in deinem Hals gesteuert, die deine Stimmbänder spannen oder lockern.
Erinnere dich mal an dein letztes Gespräch mit jemandem, dem es nicht gut ging. Oder der sehr müde war. Noch bevor du das richtig sehen konntest, hast du es vermutlich schon gehört, richtig?“

Gefühle werden oft kaschiert

Das ist menschlich und normal. Niemand will immer ALLES zeigen, was in ihm vorgeht. Häufig wird z. B. Unsicherheit mit Lächeln kaschiert. Trauer wird oft mit Wut oder mit einem versteinerten Gesicht überdeckt. Es gibt Menschen, die es perfektioniert haben, ihr Gesicht zu versteinern. Sie wollen keinerlei Gefühlsregungen nach außen dringen lassen.

Doch die wahren Emotionen kommen trotzdem durch – zum Leidwesen eines jeden Pokerface… 😉

Den echten Gefühlsausdruck in der Mimik kann ein geübter Mensch zwar innerhalb kürzester Zeit wieder wegwischen, aber du kannst trotzdem den ersten Impuls sehen, wenn du hinschaust.

Was zeigen dir Mikroausdrücke

Die Mimik des echten Gefühls zeigt sich innerhalb der ersten Sekunde. Das ist der Mikroausdruck, den man nicht kontrollieren kann. Erst nach ca. einer Sekunde ist das Bewusstsein in der Lage, einen anderen Ausdruck „drüberzuschieben“.

Weitere Gefühlsausdrücke wie z. B. Veränderungen im Atemrhythmus, in der Transpiration und der Herzaktivität brauchen schon 10 bis 15 Sekunden, bis sie wieder zurückgefahren werden können. Auch diese Veränderungen kannst du wahrnehmen, wenn du aufpasst und gut hinspürst.

Und was heißt das jetzt fürs Coaching?

  • Beobachte dein Gegenüber und schau nicht allzu häufig weg. Je besser du hinschaust, umso mehr siehst du diese kleinen flüchtigen aber sehr echten Gefühlsregungen.
  • Vertrau deiner Wahrnehmung, wenn du den Eindruck hattest, dass der Schatten eines Gefühls übers Gesicht gehuscht ist. Du liegst damit bestimmt öfter richtig als du denkst.
  • Am besten sprichst du deine Wahrnehmung an und fragst nach, ob sie stimmt. Damit kannst du deine Treffsicherheit aufbauen.
  • Achte dabei aber auch auf sensible Themen, die dein Gegenüber eventuell eher verleugnen würde als zuzugeben, dass du Recht hattest. Achte in dem Fall auf die Vehemenz der Verneinung. Fällt sie sehr stark aus, hattest du vermutlich Recht.
  • Gewöhne dir grundsätzlich an, die Menschen um dich herum nach klitzekleinen Gefühlsregungen abzutasten. Dadurch erhöhst du die Sensibilität deiner Wahrnehmung.

Also, bleib dran, übe und sei ein aufmerksamer Zuhörer!

Hanne Demel

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Deine Konzepte reichen weiter als du denkst – der Halo-Effekt! 

Deine Konzepte reichen weiter als du denkst – der Halo-Effekt! 

Zeichnungen: Hanne Demel

Hast du schon mal was vom Halo-Effekt gehört? Und hast du schon mal über deine eigenen Konzepte nachgedacht? Es gibt Effekte in deiner Wahrnehmung, die du kennen solltest, wenn du mit anderen Menschen klar umgehen willst.

Landkarten in deinem Kopf

Deine Vorerfahrungen haben bestimmte Landkarten in deinem Gehirn gebildet.Diesen Landkarten entsprechend ordnest du deinem aktuellen Gegenüber immer noch ein paar weitere Eigenschaften zu, die du bei ihm vermutest.

Diesen Effekt nennt man Halo-Effekt. Das bedeutet, dass deine Erwartungen die tatsächlichen Eigenschaften deines Gegenübers „überstrahlen“ können.

Der Halo-Effekt

Dein Kunde ist braunhaarig, trägt eine Hornbrille, Anzug und Krawatte. Unbewusst gehst du davon aus, dass er auch intelligent und zuverlässig ist.

Oder du hast jemanden vor dir, der jemandem, den du kennst, sehr ähnlich sieht. Du glaubst nicht, wie schwer es im Coaching sein kann, dich innerlich immer wieder zur Ordnung zu rufen, weil du denkst, du kennst DIESEN Menschen bereits.

Wie du wachsam bleiben kannst

Max der Coach aus dem Bohnenland„Klar gibt es Menschentypen, die sich charakterlich und äußerlich ähneln“, sagt Max, der Coach aus dem Bohnenland. „Aber bei der Zuordnung solltest du extrem große Vorsicht walten lassen. Am leichtesten geht das, wenn du dich immer wieder ganz öffnest und dich überraschen lässt. Ja, Offenheit kann man üben! Stell dir einfach immer wieder vor, du begegnest diesem Menschen gerade das erste Mal.“

Max erzählte mir mal von einer Klientin, die er ständig mit jemand anderem verwechselt hatte. Sein Gefühl, sie bereits zu kennen, ließ ihn zu forsch vorgehen. Dadurch hatte er sich nicht das Vertrauen dieser Klientin erarbeitet, so wie es zu Beginn des Coachings notwendig und wichtig gewesen wäre. Und sie dadurch verloren.

Sei dir immer deiner eigenen Konzepte und Gedankenmuster bewusst. Nur so kannst du diese auch in Frage stellen oder sie aktiv über Bord werfen. Und findest leichter und direkter Zugang zu deinem Gegenüber.

Dazu habe ich folgende Übung für dich:

Setze dich in ein Café und suche dir verschiedene Menschen aus. Nun denke dir Geschichten zu jedem Einzelnen aus. Wie lebt er, wie ist er. Lass deiner Fantasie freien Lauf.

Und nun vergleiche, welche Geschichten dir zu welchen Körpermerkmalen eingefallen sind. Reduziere deine Geschichten nun auf Stichpunkte und lass dich überraschen, welche Eigenschaften und weitere Zuordnungen du zu Haarfarbe, Größe, Kleidung etc. gemacht hast. Das ist der Halo-Effekt!

Und nun tausche die Geschichten, die du dir zu den einzelnen Menschen ausgedacht hast, aus Spaß und zur Übung einfach mal aus!

Bewusstsein ist alles!

Also vergiss nicht: Coaching ist ein feines Handwerk, das man lernen kann. Sei ein guter Coach!

Und noch was:

Die Coaching Tools sind übrigens auch für Führungskräfte geeignet, die ihre Mitarbeiter gut führen wollen. Wenn du jemanden kennst, empfehle doch diesen Blog oder auch meinen Newsletter einfach weiter. Das würde mich freuen.

 

Hanne Demel 

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Trance als Arbeitsgrundlage im Coaching 

Trance als Arbeitsgrundlage im Coaching 

Zeichnung: Hanne Demel

Hast du dich schon mal gefragt, weshalb Trance und Mentaltraining so wirkungsvoll ist? Jeder Gedanke, jede Vorstellung und jedes Erlebnis geht mit bestimmten Gehirnaktivitäten einher.Man hat im Gehirnscan festgestellt, dass bloße Vorstellungen beinahe die gleiche neuronale Aktivität im Gehirn auslösen wie „real“ Erlebtes.

Das hat Vor- und Nachteile. Nachteil ist, dass ein Trauma immer wieder Flashbacks erzeugen kann, wenn der Betroffene durch einen Trigger daran erinnert wird.

Vorteil ist, dass Vorstellungen und Gedanken, die bewusst eingesetzt und gelenkt werden, ebenso Hirnaktivitäten auslösen. Und jede Hirnaktivität stärkt die beteiligten neuronalen Verbindungen, nach dem Motto: „Use it or loose it“…

Wie kannst du Trancezustände im Coaching nutzen?

Innere Bilder sprechen meist tiefere Bewusstseinsschichten an. Sobald dein Klient inneren Bildern folgt, ist er mit der Aufmerksamkeit ganz in seinen inneren Prozessen. Das ist die „Arbeitstrance“, in der er neue neuronale Verbindungen knüpfen und stärken kann.

Trance ist ein völlig normaler Geisteszustand, in den jeder von mehrmals am Tag fällt. Immer wenn die eigenen Gedanken schweifen, während wir etwas ganz „automatisch“ tun, sind wir schon in einer leichten Trance. Du kennst das auch unter dem Begriff „Tagträumen“.

Trance

Max, der Coach aus dem Bohnenland, sagt zur Trance:

„Du solltest Heilungsprozesse über heilsame innere Bilder anregen. Wenn du einem Klienten etwas mit Mitgefühl beschreibst, wird er ebenso mit Mitgefühl darauf schauen können. Gib ihm neue Sichtweisen! Indem er gedanklich und bildlich mitgeht, erschafft er in seiner Gehirnstruktur neue Verbindungen.“

Deshalb kannst du deine Klienten mit Mentaltraining unterstützen. Hilf ihnen, über innere Bilder, Vorstellungen, Gedanken und Gefühle eigene Ressourcen zu finden und anzuzapfen. Mit jedem heilsamen und hilfreichen Gedanken aktivierst du die Heilung. Jedes Mal, wenn du Versöhnliches sprichst, aktivierst du Versöhnung.

 

Und wie geht Mentaltraining?

  • Nutze eine bildhafte Sprache, um den visuellen Cortex im Gehirn zu stimulieren.
  • Nutze eine sanfte Stimme und liebevolle Worte, um den auditiven Bereich zu stimulieren.
  • Und nutze deine Zugewandtheit und Konzentration, um seinen kinästhetischen Kanal zu erreichen, Vertrauen zu schaffen und ihm ein gutes neues Gefühl zu geben.

Also vergiss nicht – Coaching ist ein feines Handwerk, das man lernen kann. Sei ein guter Coach!

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 Hanne Demel

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Deine Stimme ist eines deiner Hauptwerkzeuge

Deine Stimme ist eines deiner Hauptwerkzeuge

Zeichnung: Hanne Demel

Im Coaching entscheidet deine Stimme und die Stimmlage, ob und wie genau dich dein Coaching-Kunde versteht. Nimm mal als Beispiel diesen Satz:

„Was hast du getan“ (bewusst ohne Satzzeichen)

• Nun betone ihn mal so, dass die Stimme am Ende abfällt,
• lass die Stimme am Ende ansteigen,
• sprich ihn ganz leise,
• und jetzt mal richtig laut.

Verstehst du?

Dein Tonfall sagt, was du wirklich meinst. Du kannst eine Aussage machen und sie wie eine Frage klingen lassen. Du kannst auch eine Frage stellen und sie wie eine Aussage klingen lassen.

Schichtmodell oder Zwiebelmodell der Persönlichkeit

Gehen wir von dem Modell der Vielschichtigkeit der Persönlichkeit aus. Es gibt ganz „alte“ Strukturen, Gefühle und Reaktionsmuster, die in der frühen Kindheit angelegt wurden. Und es gibt „jüngere“ Strukturen, das sind Reaktionsmuster, die in späteren Jahren dazugelernt wurden.

Stimme-im-Coaching

Zeichnung: Hanne Demel

Du brauchst den richtigen Zugang

Je nachdem, um was es im Coaching geht, brauchst du bzw. der Coachee Zugang zu verschieden Strukturen oder Seiten in der Persönlichkeit, die alle unterschiedlich „alt“ sind. Nun, wie bekommst du am besten Zugang zu den verschiedenen Seiten? Mit deiner Stimmlage!

Du kannst jede einzelne Seite mit jeweils einer anderen Stimmlage ansprechen und diese unterschiedlichen Stimmlagen beibehalten, wenn du diese Seite erneut ansprechen willst. Das Unterbewusstsein deines Coachee wird dich dann sofort versteht und wissen, „wen“ du gerade meinst, auch wenn du diese Seite nicht erneut benennst.

Wenn du in tiefere Schichten des Bewusstseins eintauchen willst, solltest du sanfter und leiser klingen. Und je „älter“ die Persönlichkeitsanteile sind, die du ansprechen willst – also Anteile, die schon in der frühen Kindheit entstanden sind – umso vorsichtiger solltest du sprechen. Denn dann sprichst du quasi mit dem „Kind im Inneren“. Das erschrickt, wenn du zu laut bist und es verschließt den Zugang.

Und wenn du das Bewusstsein dann wieder in Richtung hier und heute lenken willst…

… kannst du lauter werden, um die Alltagsebene zu aktivieren und die tiefen Schichten wieder zuzuschließen.

Beobachte einfach mal, welche Wirkung deine Stimmlage bei anderen erzeugt. Vor allem beobachte dich auch, welche Stimmlage du bei welchen Personen wählst. Wenn man mit Babys und Kleinkindern spricht, klingt die eigene Stimmlage unwillkürlich höher, leiser und sanfter. Sie bekommt weniger Volumen, damit das Baby sich angesprochen fühlt und nicht erschrickt.

Wenn du dich in einem Raum voller Erwachsener deutlich bemerkbar machen oder dich durchsetzen willst, wirst du deine Stimme unwillkürlich so laut und tief wie möglich klingen lassen.

Beobachte dich selbst

Nimm dir die nächste Zeit doch einfach mal als Übungszeit, um den Klang deiner Stimme zu beobachten. Wie verändert er sich, wenn du mit unterschiedlichen Menschen sprichst?

Und wenn du Lust hast, schreibe mir eine Mail und berichte von deinen Erkenntnissen. Stell mir Fragen, erzähl mir von deinen Herausforderungen. Nimm Kontakt mit mir auf, schreib mir, ruf mich an…)

Hanne Demel

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Aktives Zuhören reicht im Coaching nicht

Aktives Zuhören reicht im Coaching nicht

Zeichnung: Hanne Demel

Hast du dich schon mal mit dem Thema aktives Zuhören richtig auseinandergesetzt? Das richtige Zuhören ist das A und O im Coaching, die Basis für den Kontakt zum Coachee und zum Problem. Denn als Coach solltest du tief in Kontakt kommen mit dem Problem. Du musst ihm nahe sein, es greifen und beschreiben können. Nur so kannst du das Unterbewusstsein deines Gegenübers durch gut gewählte Worte neu strukturieren helfen.

Du kennst das sicher: du erzählst etwas und der andere hört nur mit halbem Ohr hin. Das nervt. Aber woran merkst du denn normalerweise, ob der andere dir zuhört oder nicht? Er nimmt Kontakt mit dir auf, er schaut dich an, wendet sich dir zu, nickt, sagt etwas Passendes dazu…

Das ist aktives Zuhören und ich nehme an, das ist dir bekannt.

Aktives Zuhören – und was braucht es dann noch?

Zuhören im Coaching geht noch viel weiter. Es reicht nicht, ab und zu mal zu nicken und „aha“ zu sagen. Du willst ja etwas mitkriegen von deinem Gegenüber, und wenn möglich etwas, das ihm selber noch gar nicht so richtig bewusst ist. Emotionen zum Beispiel, die unter der Oberfläche liegen und zeigen, wo die „Arbeitsenergie“ ist, wo es wirklich hakt oder unter den Nägeln brennt. Das heißt dann „Menschen lesen“. Dazu brauchst du eine feine Körperwahrnehmung.

Schau ins Gesicht

Achte auf jede kleine Veränderung im Gesichtsausdruck. Achte darauf, ob dein Gegenüber den Mund fester schließt, mit den Kiefergelenken knackt oder die Zähne zusammenbeißt.
Achte auch darauf, wie tief dein Gegenüber atmet und ob sich etwas am Rhythmus verändert.

Schau auf den Körper

Achte auf die Körperhaltung, auf Veränderungen während er spricht. Achte auf ein Zucken der Finger oder ein Übereinanderschlagen der Beine, auf ein Zurechtruckeln im Stuhl oder ein Zurücklehnen, nach vorn Beugen, Seitenwechsel.

Beobachte die Veränderungen im ganzen Körper. Dann kannst du auch wahrnehmen, ob du gut im „Pacing“ bist und der andere mit dir schwingt oder nicht. Pacing ist das Einstimmen der Körperbewegungen aufeinander, aber dazu ein andermal mehr. Wenn du das alles beachtest, dann bist du schon ein ganzes Stück tiefer im System deines Gegenübers. Du kannst ablesen, welche emotionalen Bewegungen im Unterbewusstsein schlummern und wo Blockaden sind. Die werden vor allem dann sichtbar, wenn das Gesagte plötzlich nicht mehr zum Körperausdruck passt. Dann wird es spannend, denn genau da sitzt Stress. Und da findest du den Knackpunkt, der dich weiterführt.

Nimm die nächsten zwei Wochen als Übungszeit, um deine Körperwahrnehmung zu schärfen. Beobachte die Menschen um dich herum genauer. Achte auf die Dinge, die ich genannt habe, und vergleiche, was du nun an Informationen von deinem Gegenüber aufgenommen hast.

Und wenn du Lust hast, schreibe mir eine Mail und berichte von deinen Erlebnissen und Erfahrungen.

 Hanne Demel 

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Blockaden lösen über die gute Absicht

Blockaden lösen über die gute Absicht

Zeichnung: Hanne Demel

Die gute Absicht ist entscheidend

Im systemischen Coaching zielt dein Handeln darauf ab, zu integrieren. In einer Coaching-Session solltest du sofort hellhörig werden, wenn dein Kunde etwas loswerden will, das ihn stört, blockiert und behindert. Es ist verständlich, dass dein Kunde glaubt, wenn er eine ihm unangenehme Eigenschaft verlieren würde, dann könnten sich seine Probleme auflösen. Doch Eigenschaften und psychische Strukturen sind wie Körperteile – sie lassen sich nicht so einfach abschneiden. Denn dabei übersieht man die gute Absicht, die hinter jedem Verhalten steckt.

Du solltest die innere psychische Struktur verstehen

In den tiefen Schichten der Persönlichkeit gehört alles zusammen und bildet eine Einheit. Und diese Einheit ist streng logisch. Nichts ist wirklich irrational. Und mit diesem Blickwinkel beginnst du sofort nach der guten Absicht im System zu suchen, wenn du solch einen Wunsch hörst.

Nimm zum Beispiel jemand, der dir erzählt, dass die Leute in seiner Umgebung sich seiner Meinung nach nicht richtig verhalten und er sie häufig nicht verstehen kann. Das ärgert ihn und er kommt mit anderen deshalb nur schwer klar. Er fühlt sich oft wütend oder beleidigt und möchte dieses Gefühl gern loswerden, schafft es aber nicht.

Was du im systemischen Coaching in Erfahrung bringen solltest

Um das Gefühl zu verändern, sollte er verstehen, woher diese Wut wirklich kommt. Dein Coaching-Ohr hört, dass er alles daran setzt, dass andere sich so verhalten, wie er es für richtig hält. Du siehst seine Kontrollsucht und gehst davon aus, dass eine gute Absicht dahinter steckt. Entsprechend stellst du deine Fragen.

Schließlich erfährst du, dass die Mutter deines Klienten depressiv war und er sie emotional nicht hat greifen können. Entsprechend entwickelte er als Kind das Muster, auf die depressive Mutter „aufpassen“ zu müssen. Das hat er am besten hinbekommen, wenn er das Verhalten der Mutter gelenkt und kontrolliert hat. Seine permanenten Forderungen an die Mutter und seine Launenhaftigkeit machten die Reaktionen der Mutter vorhersehbar und damit greifbar.

Das kontrollierende Verhalten, das heute andere Menschen Abstand nehmen lässt oder Trotzreaktionen bei anderen auslöst, diente also dazu, das Leben seiner Mutter zu erhalten und sie in Sicherheit zu wissen, denn depressive Menschen sind immer auch leicht oder hochgradig suizidal. Jedes Kind spürt so etwas unterbewusst.

Was du brauchst, um Veränderungen anzustoßen

Du erkennst die tiefe Dringlichkeit und Verzweiflung, die hinter dieser Wut steckt. So etwas kann niemand einfach „loswerden“. Erst wenn du die innere Struktur erkennst, die mit der Liebe verbunden ist, wird die Motivation verstehbar. Und was man in der Tiefe verstehen kann, kann man auch ändern. Mit Geduld und Mitgefühl.

Deine Aufgabe als Coach ist es also, für jeden Kunden echtes Mitgefühl zu entwickeln und sorgfältig die zugrunde liegende Logik hinter dem Verhalten zu verstehen und wertschätzend aufzudecken. Anschließend kannst du für ihn übersetzen, weshalb andere Menschen heute abweisend auf ihn reagieren und du kannst ihm deutlich machen, dass sein Verhaltensmuster sich gar nicht auf die aktuelle Situation bezieht. Du kannst ihm zeigen, dass seine Wut der letzte Ausdruck einer tiefen Liebe ist.

Wie du Gefühle im systemischen Coaching verändern kannst

Erst jetzt lässt sich ein Gefühl „auflösen“, indem du bzw. dein Kunde es „in eine neue Form gießt“. Die Liebe, die in diesem Gefühl verborgen war, bekommt einen neuen Ausdruck und darf so weiter lebendig sein. Wie das ganz genau geht, schreib ich dir nächstes Mal.

So geht systemisches Denken. Es hilft, andere zu verstehen und ihnen zu helfen, sich selber besser zu verstehen. Im systemischen Coaching sollte dir diese Art zu denken in Fleisch und Blut übergehen.

 Hanne Demel

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  Der Einstieg in die Coaching-Session

 Der Einstieg in die Coaching-Session

Zeichnung: Hanne Demel

Der Aufbau von Vertrauen ist enorm wichtig. Dein neuer Klient soll sich entspannen können, und zwar möglichst vom ersten Augenblick an. Wenn er vorher noch nie dagewesen ist, fühlt er sich vermutlich unsicher, nervös, vielleicht etwas misstrauisch. Zumindest ist er vorsichtig.

Schauen wir doch mal, wie Max, der Coach aus dem Bohnenland, das macht. Max geht ganz unbeschwert und sehr herzlich auf neue Klienten zu. Zunächst holt er die Leute direkt an der Eingangstür ab. Und das nicht nur, weil der Türöffner meistens kaputt ist…

Er bringt sie in seinen Beratungsraum und bietet ihnen Platz an. Klar, denkst du jetzt sicher, was denn auch sonst.

Die Session beginnt an der Tür

Schon an der Haustür beginnt Max unbemerkt zu arbeiten. Seine Aufmerksamkeit ist voll und ganz auf den neuen Klienten gerichtet. Er nimmt bereits viele Details wahr, denn er beobachtet Körperhaltung, Körperspannung, Bewegung, Blick und vieles mehr. Deshalb sieht er meist schon an der Tür, ob sein neuer Klient mit einer depressiven Haltung kämpft, angestaute Energie oder unausgedrückte Emotionen mit sich herumträgt.

Tee oder Kaffee – das ist hier die Frage …

… und ein bisschen Smalltalk, um das Eis zu brechen. Und bevor es dann so richtig losgeht, erklärt er kurz etwas über seine Arbeitsmethoden und über den systemischen Blick. Und dass die wichtigen Punkte oft nicht dort zu finden sind, wo der Klient sie bisher vermutet hat.

Max fordert am Anfang und auch zwischendurch immer wieder ganz bewusst auf, die bisherigen Überlegungen beiseite und sich überraschen zu lassen von dem, was auftaucht. Jedes Gefühl von Überraschung ist gut, sagt Max. Denn dort bewegt sich sein Klient schon außerhalb der gewohnten Denkmuster.

Und er sagt den Leuten, dass sie ihm jederzeit widersprechen können und sollen, wenn er etwas falsch verstanden hat. Das schenkt dem neuen Klienten Sicherheit und das Gefühl, die Kontrolle zu behalten.

Auch der Smalltalk ist ein Hinweis

Manche Leute brauchen am Anfang ein bisschen mehr, manche ein bisschen weniger Smalltalk. Eine Faustregel ist, dass der Smalltalk umso kürzer ausfällt, je höher der innere Leidensdruck ist.

Allerdings, sagt Max, wenn jemand aus dem Smalltalk nicht mehr herauskommt, ist die Angst vor dem Thema groß. Dann versucht Max vorsichtig tiefer einzutauchen, indem er Themen aufgreift, Fragen stellt. Und zwar so lange, bis er den Einstieg gefunden hat.  

Wie schaffst du eine vertrauensvolle Atmosphäre?

Am Anfang steht die Entspannung. Max schenkt heißen Tee oder Kaffee ein, der Raum ist gemütlich und ausreichend warm. Im Zweifelsfall lieber zu warm als zu kalt. Das alles trägt dazu bei, dass der Klient sich „zu Hause“ fühlt. Und das will Max erreichen, das Gefühl, zu Hause zu sein, vertraut, nah und in Sicherheit.

Was brauchst du selbst

Manchmal kommen Klienten sehr ängstlich und verspannt. Wenn dann deine Spiegelneuronen diese Ängstlichkeit aufnehmen und du die Spannung deines Klienten wiederspiegelst, wirst du eine schwierige Session erleben. Dann braucht es den bewussten Einsatz von Techniken, die bei der Entspannung helfen, damit ihr beide euch wohlfühlen könnt.

Beobachte dich in der nächsten Zeit, was du selbst brauchst, um dich entspannt und in Sicherheit zu fühlen, << Test Vorname >>. Je bewusster dir das ist, umso leichter kannst du es einsetzen und für deine eigene Entspannung im Coaching sorgen.

Und beobachte auch, was andere Leuten brauchen und was du unwillkürlich selbst tust, wenn andere sich bei dir wohlfühlen sollen.

Also bleib dran! Und vergiss nicht – Coaching ist ein feines Handwerk, das man lernen kann. Sei ein guter Coach!

Hanne Demel

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Die hilfreichste Haltung im Coaching

Die hilfreichste Haltung im Coaching

Zeichnung: Hanne Demel

Max, der Coach aus dem Bohnenland, hat besonders in der Anfangszeit seiner Coaching-Karriere manchmal Blut und Wasser geschwitzt, weil ihm in einer systemischen Aufstellung nichts mehr eingefallen ist. Inzwischen ist er da sehr viel gelassener geworden. Und warum?

Im Lauf der Jahre hat er gelernt, dass er als Coach am besten gar kein Bewusstsein auf seine eigenen Konzepte richten sollte. Das entspannt ihn ganz ungemein.Er versucht sogar, sich für die Dauer einer systemischen Aufstellung völlig zu vergessen. Nur so, sagt er, ist er leer genug, dass er als Spiegel dienen kann für das, was sich zeigen möchte.

Das geht aber nur, weil er viel Zeit in seine eigene Entwicklung und in seine Selbstreflexion gesteckt hat. Denn nur dadurch hat er gelernt, seine Konzepte bewusst zurückzustellen und zu vergessen. Ansonsten handelt man unbewusst danach und lenkt eine Aufstellung in die Richtung, die zu den eigenen Vorstellungen von „Richtig“ und „Falsch“ passt. Damit kommt man aber nicht auf die tiefen Ebenen, die notwendig sind, um Veränderungen anzustoßen, sagt er.

Wie kommst du in den Flow

Hast du schon mal vom „Flow“ gehört? Das ist ein glücklicher Zustand von kreativer Selbstvergessenheit und absoluter Konzentration. In diesem Zustand haftest du an nichts an und bist frei von deinen eigenen Konzepten. Du denkst einfach über nichts nach.

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Zeichnung: Hanne Demel

Diesen Zustand kannst du erreichen, während du eine systemische Aufstellung anleitest. Erstens ermüdet die Arbeit dich dann nicht übermäßig stark und zweitens fühlst du dich freier, weil du nicht mit dem Kopf an die Sache rangehst sondern dich inspirieren und lenken lässt. Dein Denken hat Pause, was auf eine Art erholsam ist. Vertraue dem Prozess! Er weiß schon, wo er hin will… 😉

Bewusstes Spüren

Du bist in diesem Flow-Zustand nicht unbewusst sondern du spürst aktiv vor allem die tiefen und feinstofflichen Schichten. Und du nutzt deinen eigenen Körper als Resonanzboden. Was „fehlt“, ist lediglich das Gefühl des Getrenntseins, des Unterscheidens zwischen „ich hier drinnen“ und „du dort draußen“. Es ist stattdessen ein einziges großes gemeinsames Schwingen.

Dieser Flow entsteht mit der Zeit, wenn deine Erfahrung mit der systemischen Arbeit wächst und du die Voraussetzungen kennst, die die Dinge in eine friedvolle Ordnung bringen.

 

Das war selbst bei Max, dem Coach aus dem Bohnenland, nicht immer so

Wenn Max heute mit Schriftkarten arbeitet, spürt der Klient die Energie der Worte oft schon, während Max noch schreibt. Das, sagt er, ist das gemeinsame Schwingen, von dem er immer wieder spricht.

In diesem Sinne – mach dir deine Konzepte bewusst und lass sie dann ziehen. Und handle nur nach ethischen Grundlagen. So wird dein Coaching immer besser und effektiver.

 Hanne Demel

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Eigenreflexion

Eigenreflexion

Zeichnung: Hanne Demel

Die wichtigste Grundlage für deine Coachingarbeit ist deine Eigenreflexion. Sei dir immer deiner eigenen wunden Punkte bewusst.

Jeder Mensch hat wunde Punkte, das ist völlig normal. Doch wenn ein Thema im Coaching auftaucht, das einen solchen wunden Punkt berührt, kann das deine Klarheit ganz enorm vernebeln, weil emotionale Reaktionen in deinem limbischen System angetriggert werden. Das schränkt deine Sichtweise und deinen Handlungsspielraum ein.

Ein krasses Beispiel dazu:

Ich habe mal von einem Kunden erzählt bekommen, dass ein früherer Coach ihm geraten hatte, fremdzugehen, um seine Beziehungsprobleme „in den Griff zu bekommen“. Solche Blüten kann das treiben, wenn man eigene Probleme und heimliche Sehnsüchte auf den Coachee projiziert.

Du solltest dich bei Themen, die dich besonders berühren, auch besonders zurücknehmen und vorsichtig sein.

Doch wie nimmt man sich in so einem Fall zurück?

Nimm das systemische Modell der Persönlichkeit. Du bestehst – wie auch dein Coachee und jeder andere – nicht aus einem einzigen Klotz sondern aus vielen verschiedenen Facetten und Persönlichkeitsanteilen, die alle unterschiedliche Fähigkeiten haben und verschieden mit etwas umgehen können. Diese Seiten kannst du jederzeit lenken, neu sortieren, unterschiedlich ansprechen und gewichten etc. So arbeitest du ja auch mit deinen Kunden, wenn du systemisch arbeitest.

Nutze doch dieses Modell auch für dich selbst! Stell dir vor, die Seite in dir, die gerade emotional angetriggert wird, stellst du nun für die Dauer des Coachings in den Hintergrund – mit dem innerlichen Versprechen, dich nach dem Coaching wieder um sie zu kümmern. Das verschafft dir inneren Raum, in dem du deine Worte und Reaktionen überdenken kannst.

Lerne dich selber kennen

Dazu musst du aber wissen, welche Themen dich in welcher Weise antriggern, Angst auslösen, dich wütend machen, in Unruhe versetzen etc. Es ist also kein Luxus sondern eine Notwendigkeit, dich selbst in Supervision zu begeben und dich zu reflektieren. Sonst wird deine Arbeit unklar. Oder dein Kunde kann nur solche Themen mit dir bearbeiten, bei denen du keinen Eigenanteil und keine eigenen Erfahrungen gemacht hast. Das macht das Coaching aber flach, denn dann fehlt auch dein tiefes Einfühlen in dein Gegenüber und dein Mitgefühl.

Hanne Demel

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Auf die richtige Wortwahl im Coaching kommt es an

Auf die richtige Wortwahl im Coaching kommt es an

Die Wortwahl im Coaching ist nicht so leicht

Die gleichen Worte bedeuten nicht dasselbe für verschiedene Menschen. Jeder Einzelne hat seinen eigenen Wortschatz und verbindet mit jedem Wort ein individuelles Gefühl. Manche Worte mögen sich für dich gut anfühlen, doch jemand anders verbindet etwas Unangenehmes damit. Im schlimmsten Fall eine Abwertung. Continue reading →

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