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Ich kenne eine Menge Unternehmer, die sagen, Mitgefühl wär nix für sie. Sie wären ja schließlich keine Weichflöter und Lullibulli-Typen, die alles in ein rosa Mäntelchen packen. Und andere wiederum fühlen sich schlecht, wenn sie manchmal harte Entscheidungen treffen und diese auch durchsetzen müssen.

 

Mitgefühl hat Power und kann auch mal knallhart sein!

Stell dir mal vor, du siehst, wie dein Kind gerade im Begriff ist, eine gefährliche Dummheit zu machen. Was tust du? Du fährst dazwischen und stoppst es, stimmt’s? Und warum? Weil dir dein Kind am Herzen liegt und weil du auch keine Zeit verlieren kannst mit langen Erklärungen. Die können ja später folgen. Du willst, dass es ihm gut geht und dass es sicher und gesund bleibt. Und du weißt, dass dafür genau in diesem Moment eine Grenze notwendig ist. Und zwar knallhart.

Vielleicht kannst du dich noch an deine Schulzeit erinnern: Ein strenger Lehrer war ein guter Lehrer, solange du spüren konntest, dass er es wirklich gut mit dir meinte. Du wusstest, wo es langgehen sollte und kanntest die Grenzen. Du konntest dich auf das konzentrieren, was wichtig war und unwichtigen Kram beiseite lassen.

 

Woran erkennst du dann Mitgefühl?

Ich glaube, entscheidend ist deine Motivation hinter dem, was du tust. Wenn dein Handeln aus einer akuten Emotion wie z. B. Wut entsteht, dann kann es sein, dass das Mitgefühl dabei flöten geht.

Wenn du aber andere beschützen und sie weiterbringen willst, dann handelst du mitfühlend. Auch wenn’s knallhart rauskommt.

Stell dir vor, dein Mitarbeiter hat gerade einen riesen Bockmist gebaut hat. Du kannst dich über seinen Bockmist ärgern und ihn anschreien. Du kannst ihm aber auch mit Schmackes deutlich klarmachen, dass es so nicht geht und er dringend etwas ändern muss, damit du ihn behalten kannst. Vielleicht ist deine Ausdrucksweise beide male knackig, aber die Motivation dahinter ist eine völlig andere.

Handlungen, die du aus Mitgefühl heraus tust, sind in der Wirkung tiefer. Der andere spürt, dass du es im Grunde gut mit ihm meinst.

Du kannst nicht immer Glacehandschühchen anziehen. Manchmal brauchst du auch einen Hammer, um deinen Worten Nachdruck zu verleihen.

 

Ringelpietz mit Anfassen?

Genau das bedeutet mitfühlend handeln eben nicht. Jedenfalls nicht ausschließlich. Mitgefühl hat nichts mit Mitleid zu tun. Wenn du denkst, du müsstest den anderen bedauern, hast du eher Mitleid. Dabei verliert sich das Mitgefühl. Über den Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl habe ich auch einen Beitrag geschrieben. Ich verlinke ihn unter diesem Artikel hier.

 

Wie kannst du herausfinden, ob du mitfühlend handelst?

  1. Ob du aus Mitgefühl oder aus eigener Wut und Betroffenheit heraus handelst, kannst du an Folgendem unterscheiden: wenn du aus Mitgefühl Schwung geholt hast, dann kannst du deinen Schwung auch sofort wieder stoppen, sobald du merkst, dass dein Schwung gerade falsch ankommt. Wenn du aber aus Wut handelst, steckst du in deinen Gefühlen fest und kannst nicht so schnell umschwenken.
  2. Wenn du beobachten kannst, welche Wirkung du mit deinem Verhalten erzeugst, dann hast du schon Mitgefühl. Du kannst dich anpassen je nachdem, welche Wirkung du erzeugen möchtest. Das ist übrigens emotionales Management.
  3. Wenn du  mitbekommst, dass jemand negative Dinge tut, dann ist es in höchstem Grade mitfühlend, wenn du ihn rigoros stoppst. Hau ihm eins vor den Latz, damit er aufhört, denn wenn du ihn davor bewahren kannst, noch mehr  negativen Unfug zu machen, muss er später weniger leiden. Alles, was du tust, legt die Ursache für das, was nachfolgt. Es erzeugt ein Echo. Negatives Verhalten zieht negatives Erleben nach sich. Indem du demjenigen eins vor den Bug gibst, beschützt du ihn davor, noch mehr negative Dinge zu tun. Denn die negative Suppe, die er durch sein negatives Handeln erzeugt, wird er früher oder später selbst wieder auslöffeln müssen. Du stoppst ihn, weil dir sein Wohl am Herzen liegt.

 

Mitfühlend handeln bedeutet immer, das Wohl des anderen im Blick zu behalten. Und zwar ohne dass du dich selber aufgibst oder aufopferst.

 

Weitere Artikel zum Thema: „Warum Mitgefühl hilfreich ist, Mitleid aber nicht“

Hanne Demel

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