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Was ist gute Führung? Und wie kann jeder Einzelne zu einer guten Führung beitragen, egal ob Mitarbeiter oder Führungskraft?

Ethik-Stammtisch: Zusammenfassung des Live-Stammtisches und des Online-Stammtisches. Ein erzählter Bericht, kein Protokoll!

"Gute Führung ist Mangelware. Wieso gibt’s eigentlich keine Ausbildung für Führungskräfte?“, fragt eine Teilnehmerin. „Alle anderen Berufe brauchen doch auch eine extra Ausbildung, aber für Führungskräfte gibt’s nur ein paar magere Weiterbildungen. Doch um sich weiterzubilden, muss man ja erst mal ausgebildet werden, oder nicht?“

Führungsqualitäten - und wo findet man die?

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Eine Zeitlang überlegen die Teilnehmer, wo Führungskräfte denn eigentlich ihre Qualitäten und Fähigkeiten herbekommen und schleifen können, doch das Ergebnis bleibt eher dürftig. „Das ist schon eine traurige Bilanz! Zumal viel Stress in Unternehmen auf schlechte Führung und mangelnde Wertschätzung zurückzuführen ist“, meint jemand.

Die drei "M's"

Dann meldet sich ein Unternehmer und Berater zu Wort: „Die wichtigsten Qualitäten sind doch die drei M’s!“ Fragende Gesichter in der Runde. „Na ist doch ganz klar“, meint er ginsend. „Man Muss Menschen Mögen!“ Okay, das findet Zustimmung. „Genau, wer Menschen nicht mag, hat auch nichts in einer Führungsposition verloren.“

Eine bis dato stille Teilnehmerin kommt mit einem anderen Aspekt daher: eine gute Menschenkenntnis sei wichtiger. MME! Man muss Menschen erkennen. Das verstehe sie unter einer ethischen Führung. Nur wenn man die Talente in anderen erkennt, kann man Menschen zufrieden machen und an die Positionen setzen, die ihnen entsprechen.

Hierarchien haben sich verändert, oder?

Natürlich, und sie verändern auch die Führungskultur. Nicht jeder Mitarbeiter und auch nicht jede Führungskraft eigne sich für flache Hierarchien. Viele brauchen auch einfach klare Strukturen und Vorgaben. Andere wiederum wollen Verantwortung übernehmen und selber Entscheidungen treffen. Die Bandbreite ist riesig.

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Da ist er wieder, der Dschungel in der Führungslandschaft...  

Es scheint ein rechter Eiertanz und überhaupt nicht einfach zu sein, eine gute Führungskultur aufzubauen und allen Mitarbeitern gerecht zu werden.

Doch einig sind sich dann wiederum alle in dem Punkt, dass Führungskräfte vor allem kommunizieren müssen. Nur dann schaffen sie eine offene und vertrauensvolle Atmosphäre, in der Mitarbeiter sich auch trauen, einen Fehler zuzugeben. Kommunikation ist eine menschliche Eigenschaft, die von Einzelnen mehr oder auch weniger gut beherrscht wird. Die Ausbildung für Führungskräfte sollte also als erste Basis Kommunikationstraining sein. Und Selbstreflexion!

Am besten sollten Führungskräfte doch wie gute Eltern sein… 😉

Eine sorgenvolle Frage bleibt also zum Schluss:

Wie kann man die Überhöhung und die Übererwartung an Führungskräfte am besten etwas runterschrauben? Auch Führungskräfte sind nur Menschen…

Brauchen Führungskräfte deiner Meinung nach eine Ausbildung oder nur ein Training für bewusstes, freundliches und menschliches Verhalten? Was meinst du dazu?

Und eine weitere Frage, die ich noch in den Raum stellen möchte: Was können Mitarbeiter tun, um aus ihren Führungskräften GUTE Führungskräfte zu machen? Diese Frage ist mir – obwohl mehrmals gestellt – etwas untergegangen. Vielleicht hast du noch eine Antwort?

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4 comments

Hallo

Ich versuche mich mal an der Beantwortung der letzten Frage, was Mitarbeiter tun können, um aus Führungskräften gute Führungskräfte zu machen.
Macht eine gute Führungskraft nicht aus, dass sie diese Hilfe von Mitarbeitern gerade nicht benötigt (augenommen Hilfe bei der Einarbeitung, das tagtägliche procedere in der Firma etc…) ? Wenn nun Führungskräfte von Mitarbeitern bei den Eigenschaften Hilfe benötigen, die eine Führungskraft ausmachen, dann sind sie ja eigentlich keine Führungskräfte. Wieso erklimmen sie dann eine Position auf der Karriereleiter, auf der ihnen die elementaren Eigenschaften fehlen ? Ich hole etwas weiter aus. José Ortega y Gasset schreibt in „Der Aufstand der Massen“: „Die Gesellschaft ist immer eine dynamische Einheit zweier Faktoren, der Eliten und der Massen.“ Masse ist hier nicht als Menge gemeint, sondern bezeichnet den Durchschnittsmenschen, der so beschaffen ist, dass er „sich nicht selbst aus besonderen Gründen – im Guten oder im Bösen – einen besonderen Wert beimißt, sondern sich schlechtweg für Durchschnitt hält, und dem doch nicht schaudert, der sich in seiner Haut wohlfühlt, wenn er merkt, dass er wie alle anderen ist.“ (Masse als Qualität, nicht als Quantität)….Die Masse ist die Gesamtheit der nicht besonders Qualifizierten…. Wenn von auserwählten Gruppen die Rede ist, pflegt gewohnheitsmäßige Heuchelei den Sinn dieses Wortes zu verdrehen, indem sie tut, als sei ihr unbekannt, dass nicht der Anmaßende, der sich den anderen überlegen glaubt, der auserwählte Mensch ist, sondern jener, der mehr von sich fordert als die anderen… Man kann die Menschheit einteilen…in solche, die viel von sich fordern und sich selbst mit Schwierigkeiten und Pflichten beladen, und andere, die nichts Besonderes von sich fordern, die sich begnügen, von einem Augenblick zum anderen zu bleiben, was sie schon sind, ohne Drang über sich hinaus.“
Welche Eigenschaften besitzen nun diese Führungskräfte, die eigentlich keine sind ? Diese, auf denen unsere Gesellschaft aufgebaut ist. Für Leistung, Produktivität und Effizienz zu sorgen, mittels Druck, ohne die vier Ms; Status und Geltung sich zu verschaffen und das, indem man nicht von sich selbst Besonderes fordert, sondern von den Mitarbeitern/Untergebenen. Viele Führungskräfte messen sich heutzutage, bedingt durch die Ellbogen – Durchsetzungsgesellschaft einen besonderen Wert bei, den sie sich auf Kosten anderer erwerben.
In der Diskussion kam auch kurz zur Sprache, dass bei Untergebenen Angst herrscht, frei von ihren Sorgen und Nöten zu sprechen, bzw. Verbesserungsvorschläge zu machen. Zurecht, denn unqualifizierte Führungskräfte könnten ersteres als Schwäche auslegen und letzteres als Bedrohung ihrer eigenen Position. (Die Cleveren oder besonders Skrupellosen geben dann ihre diese Ideen für ihre eigenen aus). Um den Bogen zurück zu Ortega Y Gasset zu spannen: Es gibt heute kaum mehr Eliten, so wie er sie beschrieben hat, sondern der Durchschnittsmensch besetzt Positionen, die früher der Elite vorbehalten waren, sei es in Politik, Wirtschaft oder Industrie. Das Maß zwischen Eliten und Massen ist verlorengegangen, die Dynamik hat sich einseitig auf die Masse verschoben, was dann auch zur Folge hat, dass das Niveau immer weiter sinkt. In einer gesunden Gesellschaft braucht es eigentlich keine Berufsgruppen wie Coaches, Mentaltrainer oder Psychologen – heute dagegen sind sie bitter notwendig, um wenigstens den Schaden, der durch die fehlende Empathie in den Führungsriegen verursacht wird, etwas abzumildern. Anzusetzen wäre hier bei einer völlig anders gearteten Weise der Erziehung und Bildung, aber wie es so schön heißt: Da fehlt es am politischen Willen. Klar, weil auch dort kaum mehr jemand anzufinden ist, der sich der Qualitäten, die Eliten ausmachen, bewusst ist.

Hallo Joachim,
danke für deine Mühe, diesen langen Kommentar zu schreiben. Ich lese aus deinen Zeilen negative Erfahrungen mit Führungskräften heraus, kann das sein?
Ich denke allerdings, dass auch Mitarbeiter zu einer besseren Führung beitragen können, wenn sie zum Beispiel mehr Feedback geben. Und zwar darüber, wie etwas bei ihnen ankommt, oder wie es ihnen geht. Sehr viele Mitarbeiter knirschen mit den Zähnen und schweigen, wenn sie schon längst überlastet sind und dann z. B. noch mehr Arbeit auf den Tisch bekommen. Doch zu einem guten Gelingen im Unternehmen gehören zwei: eine aufmerksame Führungskraft und ein Mitarbeiter, der freundlich und klar sagt, was er schaffen kann und was nicht.
Glaubst du nicht?

Doch, das glaube ich natürlich, denn das ist ja die ideale Symbiose zwischen Führungskraft und Mitarbeiter. Nur, wenn eine Führungskraft keine ist, weil ihr die Eigenschaften fehlen, die eine Führungskraft benötigt, dann wird es auch keine Mitarbeiter geben, die sich klar und deutlich artikulieren (trauen).
Persönlich habe ich keine Erfahrungen mit Führungskräften. Ich habe immer auf meine Unabhängigkeit geschaut (die Firmenhierarchie ist nichts für mich), habe aber genügend Erfahrungsberichte.
Außerdem: Wie unfähig die Eliten heutzutage sind, kann man täglich in den Medien lesen. 🙂

Gruß
Joachim

Hallo Joachim,
was muss zuerst da sein – die Henne oder das Ei?
Ein mutiger Mitarbeiter, der seiner Führungskraft ein klares Feedback gibt und dabei auch das eigene Verhalten ein Stück reflektiert, kann nach meiner Erfahrung einiges zum Guten bewegen. Wer als Mitarbeiter darauf wartet, dass die Führungskraft seine Bedürfnisse von allein spürt und wahrnimmt, wartet vielleicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag und bleibt währenddessen in seinen Beschwerden hängen.
Die andere Seite von „sich nicht trauen“ ist „mutig sein, aus der eigenen Komfortzone herausgehen, sich ein Herz fassen und z. B. für sich einstehen. Das entscheidet jeder Einzelne für sich selbst.
Die Medien schreiben häufig recht negativ. Negative Schlagzeilen bekommen mehr Aufmerksamkeit. Es gibt aber auch positive Beispiele. Ich kenne sehr viele gute Führungskräfte, die viele „Soft Skills“ beherrschen und sich wirklich für ihre Mitarbeiter interessieren.
Ich finde es gut, dass du für dich einen anderen Weg gefunden hast, der zu dir passt.

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